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Präsident aus dem Bilderbuch

von Redaktion

Ein Traum von einem Staatsoberhaupt: Fern aller eitlen Impulsivität ist der italienische Präsident in „La Grazia“ und skrupulös bis zum Gehtnichtmehr. So sehr, dass alle erwarten, er würde in seinen letzten Amtstagen die Entscheidung über ein Sterbehilfegesetz und zwei Gnadengesuche einfach aussitzen. Brillant gespielt von Toni Servillo (im Juni Stargast beim Filmfest München, Foto: Andrea Pirrello), ist das ein eisern aufrechter Mann, dem die Last der Verantwortung permanent die Mundwinkel herabdrückt. Doch in einer Reihe Begegnungen, vom Papst über einen Rapper bis zur Mörderin, bewegt sich in ihm etwas. Paolo Sorrentinos wunderbares Werk ist eine melancholische, verschmitzte, vielschichtige Fantasie über die Ergründbarkeit von Welt und Leben. Über Schwerelosigkeit und befreites Atmen – und die erlösende Gnade, lächelnd den Zweifel zuzulassen. (Im Stream auf MUBI.)WIL

Paolo Sorrentino:

„La Grazia“


★★★★★ Hervorragend

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