Triumphzug des Rock’n’Rollers

von Redaktion

Dick Brave alias Sascha Schmitz gibt im Backstage alles – Vorgeschmack auf Open Airs

Echte Könner: Die Backbeats nahmen bekannte Hits radikal auseinander und setzten sie neu zusammen.

Herr Schmitz liefert: Dick Brave ist vor allem ein ausgezeichneter Sänger. © Fotos: Markus Götzfried

Die mit einiger Sicherheit beste Idee, die Sascha Schmitz aus Soest je hatte, war, Dick Brave zu werden. Als Sasha hatte er einige Hits und galt als Posterboy der deutschen Popszene. Aber echte Begeisterung erzeugte er erst ab 2002 mit seiner kanadischen Kunstfigur, die beherzt moderne Popklassiker im Rockabilly-Gewand zu grandios tanzbaren Partyhits ummodelte. Nach fast eineinhalb Jahrzehnten Pause kommt Dick Brave nun zurück, für immer. Jedenfalls kündigt die neue LP es so an: „Back for good“.

Sehr smart startet Dick Brave mit seinen Backbeats sein Comeback mit einer Serie von Auftritten in eher kleinen Clubs (alle sofort ausverkauft), ehe er die Freiluft-Arenen der Republik bespielt. In München ist es das rappelvolle Backstage. Noch bevor der erste Ton erklingt, ist die Vorfreude mit Händen zu greifen. Die Fans haben Lust auf handgemachte Musik und gute Laune.

Und Herr Schmitz liefert. Er stürzt sich mit sichtbarem Ehrgeiz in den Abend und tobt für seine mittlerweile 54 Jahre noch beneidenswert jugendlich über die Bühne, Handstand auf dem Klavier inklusive, wie dereinst der große Freddy Quinn es gerne machte. Die Fans sollen, so das berechtigte Kalkül, überall verbreiten, dass man mit Dick Brave eine großartige Zeit haben kann, und damit die Nachfrage nach den großen Konzerten ankurbeln.

Das funktioniert freilich nur, wenn der Funke überspringt, aber da muss sich Dick Brave keine Sorgen machen: Der Saal tobt, und nach zwei Stunden sind alle durchgeschwitzt und restlos glücklich. Energetisch und mit echter Hingabe arbeitet sich Dick Brave durch Rockabilly-Standards von Eddie Cochran oder Jerry Lee Lewis ebenso wie durch Werke von Michael Jackson oder Depeche Mode, die er auf links dreht und im Retroklang neu erstrahlen lässt. Sogar „The Winner takes it all“ von Abba passt da rein oder „Take on me“ von a-ha.

Vor allem natürlich, weil Sasha, das kann man angesichts unzähliger „Party-Hitsänger“ schon mal erwähnen, tatsächlich singen kann. Und natürlich, weil die Backbeats aus echten Könnern bestehen. Die Lieder derart radikal auseinanderzunehmen und neu zusammenzusetzen, das muss man beherrschen. Und auch das Experiment, den Rockabilly-Klang zwischendurch mal so darzubieten, wie er in den Fünfzigern aufgenommen wurde, mit nur einem Mikrofon, muss man erst mal bestehen. Es sind vielleicht die schönsten Momente, weil – naturgemäß – etwas leiser. So hört man erst richtig, wie schön aufeinander abgestimmt die Band ist und wie effektiv die Arrangements.

Was Dick Brave und seine Backbeats gerade veranstalten, das ist keine Comeback-Tour. Es ist ein einziger Triumphzug.ZORAN GOJIC

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