Wie stark ist eine Freundschaft? Und wie stark ist das Fundament Jahrzehnte später noch, wenn es wirklich darauf ankommt? Tully und Jimmy sind solche Freunde, die ihr Leben seit ihrer Jugend teilen. In „Maifliegen“ erzählt Andrew O‘Hagan ihre Geschichte. Es ist der Sommer 1986 in der schottischen Kleinstadt Ayrshire, die unter den Folgen der Thatcher-Politik ächzt. Ab 1984 ließ die eiserne Lady dutzende Kohlegruben schließen und läutete das Ende des Wohlfahrtsstaats ein. Einer der zehntausenden arbeitslosen Bergleute ist Tullys Vater, der physisch wie psychisch krank ist. Frust, Perspektivlosigkeit und wirtschaftliche Schwierigkeiten erlebt der Sohn täglich im Elternhaus. Der Geschichte zwischen Betrunkenheit, Bands und frechen Bemerkungen ist nicht leicht zu folgen. Aber O‘Hagan ist mit „Maifliegen“ ein seltener Einblick in eine Männerfreundschaft ohne viele Worte gelungen.KNA
Andrew O‘Hagan:
„Maifliegen“. Ullstein, 336 Seiten; 24,99.
★★★★☆ Lesenswert