Kir Royal mit Dieter Hildebrandt, Senta Berger und Franz Xaver Kroetz (Mi.). © Schneider-Press/E. Schneider, Schneider-Press/Frank Rollitz
In Hollywood spielte Senta Berger mit Kirk Douglas. © ddp, dpa, Gnoni
Familie: Berger mit ihrem Mann Dr. Michael Verhoeven und ihren Söhnen Luca (li.) und Simon.
Mit ihrem verstorbenen Mann Dr. Michael Verhoeven tanzte Senta Berger gerne.
Ihre Neugier, ihren Hunger auf das Leben hat Schauspielerin Senta Berger nie verloren! Nicht, als vor zwei Jahren ihre große Liebe, der Filmproduzent Dr. Michael Verhoeven († 85) starb, mit der sie fast 60 Jahre verheiratet war, und auch nicht, als sie im Januar von einer Bühne stürzte und sich einen komplizierten Oberschenkelbruch zuzog. Senta Berger kämpfte sich zurück ins Leben. Ohne Gehhilfe, ohne Rollator.
„Mein Körper, der hat es nicht vergessen, wie man aufsteht“, sagt sie. Disziplin, Kraft und einen starken Willen – das lernte die gebürtige Wienerin schon als 16-Jährige in der Tanzausbildung. „Und das hält mich zusammen.“ Heute, an ihrem 85. Geburtstag, will Senta Berger einen Walzer tanzen und mit ihrer Familie feiern, bei schönem Wetter am liebsten im Garten in Grünwald. Einer ihrer Wünsche bleibt dabei unerfüllt: „Dass alle die, die ich schon verloren habe, mit uns jetzt hier am Tisch sitzen würden. Das wäre doch was.” Auf jeden Fall dabei sind ihre beiden Söhne Luca (47) und Simon(53).
„Nach dem Tod unseres Vaters hat sich die Beziehung zu unserer Mutter noch einmal intensiviert. Jetzt gibt es halt nur noch uns“, sagt Simon Verhoeven. Mutter Senta sei zäh und eine Kämpferin. Deshalb will sie auch bald wieder auf der Bühne stehen – in Loriots „Szenen einer Ehe“, zusammen mit ihrem guten Freund Friedrich von Thun (83). Der letzte Film, in dem Berger eine Hauptrolle übernahm, war die Literaturverfilmung „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“, die ihr Sohn, Produzent Simon Verhoeven, verantwortete und die bereits mehr als eine Million Zuschauer in die Kinos lockte. Berger spielt darin eine ehemalige Schauspiel-Diva, die mit ihrem Mann den 20-jährigen Enkel bei sich aufnimmt, der in München die Schauspielschule besuchen will. Lange hatte sie Zweifel, ob sie die Richtige für den Film sei. Ihre Figur muss – wie sie selbst im wahren Leben – einen Verlust verarbeiten.
Simon beschrieb seine Mutter einmal als „von großer Liebe erfüllt“. Mit dieser Liebe feierte sie auch internationale Erfolge an der Seite von Stars wie Frank Sinatra, Kirk Douglas oder Alain Delon. Als „Grande Dame“ des Films will sich Berger dennoch nicht sehen. Das sei die wohl langweiligste Beschreibung ihrer Person, sagte sie einmal in einem Interview.
Mit vier Jahren stand die Wienerin das erste Mal auf der Bühne, an der Seite ihres Vaters, der Musiker war. Zum Gesang ergänzte sie eine zehnjährige Ballettausbildung, mit 16 Jahren schaffte sie es als jüngste Schülerin auf das renommierte Wiener Max-Reinhardt-Seminar. Dort flog sie allerdings raus, als sie ohne Erlaubnis mit Hollywoodstar Yul Brynner († 65) einen Film drehte. Der Rauswurf schadete Berger aber nicht. 1960 war sie in „Der brave Soldat Schwejk“ an der Seite von Heinz Rühmann († 92) erstmals in den Kinos zu sehen. Schon 1962 war Berger in Hollywood.
Die Presse feierte sie als 19-Jährige für ihre Rolle in „Secret Ways“ an der Seite von Richard Widmark als „Wiener Sexbombe“. Die strahlend schöne junge Europäerin geriet allerdings dabei immer wieder in Situationen, in der sich ihr Produzenten und Stars unangemessen näherten. Sie erhob Jahre später Missbrauchsvorwürfe gegen Charlton Heston und Widmark. Dem deutschsprachigen Superstar ihrer Zeit, Otto Wilhelm Fischer, warf sie erst vor wenigen Jahren eine versuchte Vergewaltigung am Rande der Dreharbeiten zu „Es muss nicht immer Kaviar sein“ vor.
Ihre Hollywoodkarriere beendete Berger nach wenigen Jahren. Vor allem wegen ihrer Liebe zu ihrem Mann kehrte sie nach Europa zurück. Von 1974 bis 1982 war sie die Buhlschaft im „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen. Keine Schauspielerin spielte länger die weltbekannte Rolle. Seit Mitte der 80er-Jahre war sie bei Fernseh- und Kinoproduktionen wie „Kir Royal“, „Die schnelle Gerdi“ und „Willkommen bei den Hartmanns“ dabei. Auf ihr Leben und ihre Familie blickt Berger mit Stolz zurück: „Ich war eine unglaublich verliebte Mutter. Das waren sehr schöne Zeiten und auch mein Jungsein war schön, meine Kindheit, herrlich glücklich.” TERESA WINTER