Neuer Glanz fürs alte Haus

von Redaktion

Generalsanierung abgeschlossen: Die Villa Stuck ist wiedereröffnet

Gastronomin Sandra Forster und Direktor Michael Buhrs.

Gleich drei Sonderausstellungen zeigt die Villa Stuck in ihren neu gestalteten Räumen.

Strahlt wieder an der Prinzregentenstraße: die Villa Stuck. Seit gestern ist das Münchner Museum wieder geöffnet. © Marcus Schlaf (3)

„Wir haben fertig!“ Michael Buhrs, Direktor der Villa Stuck, fühlt gerade alles zugleich. Erleichterung, Vorfreude, aber auch ein bisschen Wehmut, weil das große Treiben in seinem Haus jetzt vorbei ist. „Wir hoffen nun auf ein vielstimmiges Gewusel der Besucher“, so Buhrs anlässlich der feierlichen Wiedereröffnung des beliebten Münchner Museums gestern. Dieser Wunsch dürfte angesichts der gelungenen Rundumerneuerung mit vielseitigem Angebot, einer feinen Neuerwerbung und gleich drei aktuellen Sonderausstellungen in Erfüllung gehen.

Auch der zweite und letzte Abschnitt von Generalsanierung und Umbau ist damit abgeschlossen. Nach den technischen Maßnahmen der ersten Phase von März 2024 bis Oktober 2025 wurde das Haus jetzt auch ästhetisch auf Hochglanz poliert, Foyer und Gastronomie neu gestaltet, ein Vortragsraum gebaut, der historische Künstlergarten rekonstruiert, Skulpturen, Reliefs und Säulen liebevoll restauriert. Das Foyer im Verbindungsteil zwischen Villa und Ateliergebäude empfängt Besucher jetzt an zwei Seiten, an der Prinzregenten- und an der Ismaninger Straße.

Mit einem Glasdach wurde es zu einer lichten Halle erweitert. Diese präsentiert sich mit einer Kassen- und einer Gastronomietheke sowie dem Mobiliar der Stuckkantine, wie das Café jetzt heißt. Seine zwei langen Tische und Stühle sind aus Aluminium, was vielleicht nachhaltig ist, aber nicht nur optisch ziemlich runterkühlt. Vom Foyer aus startet man in die historischen Räume, in das neue Atelier für Wechselausstellungen und in den Garten. „Dessen streng geometrische Anlage ist im Grunde die auf den Boden geklappte Fassade“, erklärt Sammlungsleiterin Margot Brandlhuber. Sie freut sich auf den Start der Bepflanzung nächste Woche, getreu nach historischem Vorbild, aber mit Pflanzen, die dem Klimawandel gewachsen sind.

Mit Stolz präsentierte Brandlhuber auch das neue „Damenportrait à la japonaise“. Dabei handelt es sich um ein bislang unbekanntes Gemälde von Franz von Stuck aus dem Besitz seines Schülers Max Ackermann. Es entstand während der Japan-Euphorie des späten 19. Jahrhunderts und wird direkt vor den Wohnräumen gezeigt. Stimmig arrangiert mit zeitgenössischen Fotografien.

Nicht minder spannend sind die drei Sonderausstellungen: „Feld“ ist ein Gastspiel der derzeit geschlossenen Münchner Rathausgalerie, kuratiert von Nina Oswald und Michael Buhrs. Der Künstler Philipp Messner zeigt vor Ort entstandene Skulpturen und Installationen, die mit Raum, Material, Licht und Energien experimentieren. Die Künstlerin Ilit Azoulay nähert sich in „No Single View“ den Menschen, die in der Villa Stuck einst gelebt haben. Und damit auch dem Ort, seinen Fundstücken, seiner Geschichte. Ihr Film „Mary“, gedreht mit 77 Schauspielerinnen, ist ein fiktives Interview mit Stucks Tochter Mary. Es gehe dabei auch um die Frage, wie Erinnerung entstehen kann, sagt Kuratorin Dr. Helena Pereña. In der Schau „Zehn Leben“ machen Delschad Numan Khorschid und Jan-Hedrik Pelz das Gegenwartsthema Migration sichtbar und nachfühlbar. Ein intensives Flucht-, Trauer- und Sehnsuchts-Konvolut aus Gemälden, Filmen, Skulpturen und Texten.

Last but not least: Die Villa Stuck hat auch ihre Vermittlungsangebote zur Inklusion und kulturellen Teilhabe erweitert. Unter anderem mit Tastführungen und Führungen in deutscher Gebärdensprache, Angeboten für Menschen mit Demenz, Workshops für Kinder, einem inklusiven Chor und einer Broschüre in Leichter Sprache.STEFANIE LEHMBERG

Öffnungszeiten

tägl. außer montags von 11 bis 18 Uhr, jeden ersten Freitag des Monats bis 22 Uhr.

Artikel 4 von 11