Das ausverkaufte Münchner Nationaltheater regelrecht in Ekstase bei der Wiederaufnahme von John Neumeiers Ballett „Die Kameliendame“ (hier zuletzt 2020, Uraufführung 1978 in Stuttgart). Verdient der Jubel. Das Bayerische Staatsballett hat sich – regelrecht mitfühlbar – hineingeworfen in diese komplexe Choreografie nach dem Roman „La dame aux camélias“ von Alexandre Dumas d. J. (1848). Da ist zum einen diese leidenschaftliche, schmerzhafte Liebe der lungenkranken und früh sterbenden Kurtisane Marguerite Gautier und des jungen Armand Duval. Zum anderen wird auch die amüsierfreudige Gesellschaft geschildert. Fast alle Hauptrollen sind übrigens Debüts.
Nach einem Prolog – eine Versteigerung von Marguerites Hinterlassenschaft – wird die Geschichte aufgerollt: Die erste Begegnung des jungen Duval mit Marguerite, sein Werben, ihr überlegenes Spiel mit ihm, dann doch die Liebe. Und hier wird Neumeier geradezu filmisch realistisch (tatsächlich hat er 1986 in eigener Regie sein Ballett verfilmt). Nicht nur erleben wir das ausgelassene tänzerisch-spielerische Feiern bei Landausflügen der Gautier-Community. Die Choreografie der Liebesakte hatte man so wirklichkeitsnah noch nie in einem Ballett erlebt.
Laurretta Summerscales und Jakob Feyferlik, die Hauptrollen-Stars, meistern auch noch elegant Neumeiers Pas-de-deux-Technik. So viele wunderbare, aber eben super knifflige Hebungen: hoch über den Kopf und um den Körper herum – das war wirklich olympische Spitze. Und klug ausgedacht die von Neumeier noch eingewobenen Szenen aus „Manon Lescaut“ , ein Ballett, in dem Marguerite sich schuldhaft selbst erkennt. Für die neue Erste Solistin Violetta Keller war Manon ein viel versprechendes Debüt. Elegant gepartnert wurde sie von dem langjährigen Ersten Solisten Jinhao Zhang.
Sahnehäubchen für die ganz der Ballett-Klassik ergebenen Fans sind sicher die großen Ball-Szenen. Über die ganze Bühne walzernde Paare vollbringen da elegant die irrwitzigsten Pas-de-deux-Figuren und Hebungen. Und die ganze Neumeier-Choreo inspiriert durch Musik von Frédéric Chopin: hingeschmeichelt vom Bayerischen Staatsorchester und dem Pianisten Dmitry Mayboroda unter Dirigent Victorien Vanoosten. Am Klavier auf der Bühne Alexander Reitenbach.MALVE GRADINGER
Weitere Vorstellungen
am 23., 25.5. und 10. Juli.
Telefon 089/21 85 19 20.