Happy End im Mooswald

von Redaktion

Die Münchener Biennale zeigt die Kinderoper „Der Miesepups“

Ein neckisch-queeres Feenwesen (Robin Neck, li.) sorgt in der ersten Kinderoper der Biennale für Stimmung. © MATTHIAS BAUS

„Ich fand die Szene als Ganzes gut“, sagt ein Junge mit langen blonden Haaren vor dem Münchner Volkstheater. Ein besseres Feedback kann sich „Der Miesepups“ nicht wünschen – die Kinderoper der Münchener Biennale. Und zwar die erste in der 20-jährigen Geschichte des Festivals, obschon Hans Werner Henze bei der Gründung 1988 einen Bildungsanspruch formulierte: „die Neue Musik als Bestandteil unserer Kultur besonders bei der Jugend“ zu verankern. Kinderopern gehörten allerdings bislang nicht zum Programm – ein schönes Novum unter den neuen Festivalchefinnen Katrin Beck und Manuela Kerer.

„Der Miesepups“, den Silvan Rechsteiner nach der Buchvorlage von Kirsten Fuchs frei weiterfantasiert, ist ein grantiger Einzelgänger. Er wohnt im Mooswald, den Bühnenbildnerin Maria-Magdalena Kwaschik mit hohen saftigen Gräsern, dämmrigem Licht und einem riesigen Baumstumpf atmosphärisch in Szene setzt. Auf diesem sitzen die Musikerinnen und Musiker des Staatsorchesters Stuttgart, darunter haust der Miesepups in seiner schmuddeligen Messie-Höhle.

Jacobo Ochoa legt ihn mit warmem Bariton zwischen Brummeln und Verletzlichkeit an – durchaus mit Anlage zum ressentimentgeladenen Typ, der zum Glück stattdessen Freundschaft lernt: mit dem neckisch-queeren Feenwesen Nakinchen (Robin Neck), mit Carmen Larios Caparrós, die durch mehrere Tierrollen wirbelt und mit ihrem durchdringenden Sopran empfindliche Kinderohren auf die Probe stellt. Und natürlich mit Kucks (Olivia Johnson), die sich vom Miesepeter, äh: Miesepups nicht abschütteln lässt, ihn nach und nach aus seinem Grant herausholt und so ein Happy End möglich macht.

Margareta Ferek-Petrić komponiert dazu durchaus „Neue Musik“: mit schattigen Klangflächen, nervösen Trillern, knarzenden Posauneneffekten und viel perkussiver Fantasie – die auch durch leuchtende Drumsticks angeregt wird. Gleichzeitig scheut diese Oper nicht vor Eingängigkeit zurück, um die Kinder (oder vielleicht doch eher ihre Eltern?) abzuholen.ANNA SCHÜRMER

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