Bei „Onkel Pö“ spielt ’ne Rentner-Band seit 20 Jahren Dixieland. Und da ist Paula auf Sankt Pauli, die sich immer auszieht. Berni Flottmann denkt, er wär’n Astronaut. Und der Nervenarzt weiß auch nicht mehr, wie’s weitergeht. Aber sonst is heute wieder alles klar auf der Andrea Doria. Schon im Titellied von Udos dritter LP von 1973 – der zweiten, die er auf Deutsch singt – tummelt sich ein Panoptikum von Außenseitern, die uns sofort sympathisch werden. Das rockende „Boogie Woogie-Mädchen“ wirkt wie ein Star von Andy Warhol. Und der alte Säufer in „Nichts haut einen Seemann um“ torkelt am Ende durch einen Sturm aus Gitarren. Die Messias-Farce „Du heißt jetzt Jeremias“ könnte von Otto Waalkes sein, mit dem Udo damals in der Hamburger WG „Villa Kunterbunt“ lebte. Diese Texte – gänzlich unverkünstelt, mitunter albern, aber eben nicht dumm – waren unerhört. „Wir wolln doch einfach nur zusammensein“, er und das „Mädchen aus Ost-Berlin“. Die Balladen, allen voran das unsterbliche „Cello“, sind besser gealtert als die Rock- und Ragtime-Stücke, und die Nachfolge-LP „Ball Pompös“ ist sogar noch einen Tick besser. Aber dies ist die Geburt des Deutschrock.LÖ
Udo Lindenberg & Das Panikorchester: „Alles klar auf der Andrea Doria“ (Telefunken).
★★★★★ Das finden wir hervorragend