Sause mit Träne

von Redaktion

Die Sportfreunde Stiller feiern in München ein emotionales Jubiläum

Eine rauschende Party wurde in der Olympiahalle vor tobendem Publikum gefeiert. © Martin Hangen

„30 wunderbare Jahre“ haben die Sportis mit ihren Fans verbracht. Zum fünften Mal spielten sie nun in der Olympiahalle, am 12. Juni erscheint ihr neues Album. © Martin Hangen

Plötzlich stehen die Münchner Pop-Legenden alle Arm in Arm auf der Bühne: Günther Sigl und Barny Murphy von der Spider Murphy Gang und die Sportfreunde Stiller. Rundherum tobt die Menge und bedankt sich für eine rauschende Sause zum 30. Geburtstag der Sportis. Das fünfte Konzert der Bandgeschichte in der Olympiahalle ist nicht nur für die Fans ein besonderes: „Wir haben nicht mehr damit gerechnet, das noch mal zu erleben“, erzählt Sänger Peter Brugger im ausverkauften Rund und spielt damit auf die jahrelange Bandpause an. „Deshalb ist es umso schöner, dass ihr alle da seid!“

Zum Geburtstag haben die Fans ein riesiges „Happy Birthday“-Banner mitgebracht, das sie in der ersten Reihe präsentieren. Die Sportis haben einen straffen Terminkalender im Jubiläumsjahr, denn neben einer großen Tour erscheint am 12. Juni das passend betitelte neue Album „Happy Birthday“. Dazu folgt ein ARD-Dokumentarfilm, ehe am 1. Juli ein Konzert im ausverkauften Musikzelt auf dem Tollwood ansteht.

Wie in ihren Texten zeigen die drei Musiker auf der Bühne entwaffnende Ehrlichkeit. Vor „New York, Rio, Rosenheim“ bricht Sänger Peter vor lauter Rührung ob der jubelnden Halle kurz die Stimme weg. Große Emotionen zeigen sich auch bei den Fans, denn bei „Applaus, Applaus“ und „Ein Kompliment“ wischt sich der eine oder andere im Publikum verstohlen eine Träne aus den Augen, während „Ich, Roque“ alle zum Springen bringt.

Die alterslos wirkenden Sportis vereinen ihre großen Hymnen mit den Spaßsongs und wissen intuitiv, wann sie nach ruhigen Momenten das Gaspedal wieder durchdrücken müssen. Dabei ist ihnen die Spielfreude auch nach 30 Jahren in jeder Zeile anzuhören. Nebenbei verkörpern die Germeringer auch ohne große politische Ansagen eine Haltung, die sich nicht nur in den Texten wiederfindet. So gründeten sie nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine die Initiative „Kultur.Konvoi“, die Projekte im kriegsgeplagten Land unterstützt. Fans auf der rappelvollen Gästeliste sind gebeten, für die Initiative zu spenden.

Die Halle ist größtenteils in der Hand von Fans der ersten Stunde der Band, die jede Zeile textsicher mitsingen. Im Gepäck haben viele ihren Nachwuchs, die nächste Generation an Sportis-Anhängern. Die bekommen nach 80 Minuten eine der wahrscheinlich längsten Zugaben in der Geschichte der Olympiahalle geboten. Eine Stunde lang zelebrieren die Sportfreunde sich und ihre Kunst und entfachen noch einmal eine wilde Wiesn-Stimmung. Zur Zugabe kommt die Spider Murphy Gang auf die Bühne und spielt mit den Sportis „Skandal im Sperrbezirk“. Der Klassiker „Erste Wahl“ verschmilzt mit Teilen von „Sweet Caroline“, und alle grölen mit.

Am Ende vermisst niemand den WM-Song „’54, ’74, ’90, 2006“. Die Germeringer haben inzwischen eine solche Hitbreite, dass sie selbst im WM-Jahr auf ihre erfolgreichste Nummer verzichten können. Barny Murphy, der selbst bald 50-jähriges Jubiläum mit der Spider Murphy Gang feiert, wünscht den Sportis zum Abschied: „Viel Spaß noch die nächsten 30 Jahre!“ Und Peter Brugger antwortet: „A Traum!“MICHAEL HELLSTERN

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