Trifonov im Herkulessaal

von Redaktion

Unterschiedliche Temperamente auf der Bühne zusammenzubringen, hat durchaus seinen Reiz. Und wahrscheinlich geht es kaum gegensätzlicher als mit Nikolaj Szeps-Znaider und Daniil Trifonov, die sich im Herkulessaal für einen Kammermusik-Abend zusammengefunden hatten. Während der Geiger humorvoll mit dem Publikum schäkerte und die angepriesenen Liebesbekundungen in den Werken von Clara und Robert Schumann hörbar machte, erlebte man Trifonov am Klavier wie immer hochkonzentriert in den Noten versunken. Klar im Anschlag, aber oft auch eine Spur zu sachlich. Wobei Augenkontakt nur dann aufgenommen wurde, wenn es unbedingt nötig war.

Mehr Dialog entwickelte sich zum Glück bei Anton Weberns Opus 7, wo beide sich mit leisen Tönen gegenseitig zu überbieten versuchten und der Saal wortwörtlich den Atem anhielt. Die so erzeugte Stille erwies sich als idealer Startpunkt für eine wahrhaft mustergültige Interpretation von Beethovens „Kreutzer-Sonate“. Denn mit wechselnder Führungsrolle wurde hier nicht nur das dynamische Spektrum voll und ganz ausgereizt, sondern vor allem den Emotionen endlich freier Lauf gelassen. Was das Publikum mit dankbarem Applaus honorierte.TOBIAS HELL

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