Mozarts Genie-Status wird niemand ernsthaft infrage stellen. Erst recht nicht in München, wo immerhin zwei seiner Opern aus der Taufe gehoben wurden. Dass selbst er jedoch nicht im luftleeren Raum existierte, das weiß auch Tenor Daniel Behle. Ein versierter Mozart-Interpret, der sich nun in der Allerheiligen-Hofkirche Musik von Zeitgenossen des Salzburger Wunderkindes vornahm.
Behle erwies sich nicht nur als Stilist ersten Ranges, sondern ebenso als geborener Entertainer. Wenn er vor den Nummern kleine Anekdoten über vergessene Komponisten wie Bernhard Romberg und Johann Matthias Sperger erzählte. Oder wenn er auf ironisch-humorvolle Art den Inhalt der betreffenden Bravour-Arien zusammenfasste. „Es geht mal wieder um einen Krieger…. Der in den Krieg zieht.“ Und der dessen Schlachtruf natürlich mit geschmeidigen Koloraturen ausschmückt. Die Flexibilität dafür hat sich der Tenor trotz diverser Ausflüge ins Wagner-Fach bewahrt. Wobei seine Stimme dadurch in der Tiefe weiter an Substanz gewonnen hat. Eine Qualität, die unter anderem der reich verzierten Konzertarie „Odo il suon d’amica voce“ von Johann Gottlieb Naumanns zugutekam.
Die hier verhandelten Gefühlzustände waren – wie so oft im Barock und in der Frühklassik – an einer Hand abzuzählen. Da ging es weniger darum, was gesungen wurde, sondern vor allem um das Wie. Weshalb Behle die Aufmerksamkeit immer wieder auf die musikalische Ausgestaltung und die eingesetzten Solo-Instrumente lenkte. Denn was hier geboten wurde, war keine One-Man-Show. Behle blühte gerade dann auf, wenn er sich mit den virtuos agierenden Musikerinnen und Musikern der von Rüdiger Lotter geleiteten Hofkapelle München messen konnte.
Zudem sorgte das Ensemble dafür, dass neben den Raritäten auch Mozart mit einer Auswahl seiner für München entstandenen Werke das ihm zustehende Rampenlicht bekam. Genau wie übrigens der Komponist Daniel Behle, der als Zugabe eine Koloraturarie aus seiner neuen Operette nachlegte. Ein weiteres Bravourstück, das neben dem Humor ihres Schöpfers auch noch einmal dessen Einfühlungsvermögen in die Welt des Barock eindrucksvoll bestätigte.TOBIAS HELL