Wir denken groß

von Redaktion

Akademiekonzert mit Sebastian Weigle

Der Dirigent Sebastian Weigle. © David Ebener/Archiv

Neuen Werken hat sich das Bayerische Staatsorchester noch nie verschlossen. Das hat in der Geschichte des Ensembles Tradition. So erklang etwa die bombastische Orgelsinfonie von Camille Saint-Saëns hier bereits 1889. Gerade mal drei Jahre nach der Uraufführung. Allerdings blieb es dann auch bei dieser Begegnung, bis das Werk im Rahmen des jüngsten Akademiekonzerts wieder aufs Programm gesetzt wurde.

Die lange Abwesenheit mag wohl auch den Aufführungsbedingungen geschuldet sein. Die elektronische Orgel, die im Nationaltheater zum Einsatz kommt, bleibt natürlich ein Kompromiss. Aber so wie Dirigent Sebastian Weigle und Solist Peter Kofler an die Sache herangehen, kann man am Ende doch sehr gut damit leben. Vor allem, da das französische Repertoire hier bis heute meist im Schatten anderer Hausgötter steht.

Dass ihm das Großformatige liegt, hat Weigle nicht zuletzt bei der Münchner Premiere von Strauss‘ „Die Liebe der Danae“ bewiesen. Ähnlich ist nun auch sein Zugang zur Orgelsinfonie, bei der er die Streicher zu feinen dynamischen Schattierungen animiert und auf ein klug balanciertes Klangbild setzt. Was besonders dem Schlussteil des ersten Satzes eine intime Qualität verleiht. Nicht zuletzt, weil auch Kofler die Orgel hier noch als Teil des Orchesters versteht und sich sensibel eingliedert. Sein großer Ausbruch im zweiten Satz, bei dem er endlich seine ganze Gestaltungskraft zeigen kann, wirkt dadurch umso effektvoller.

Vorbereitet hatte man dies durch Mussorgskys „Nacht auf dem kahlen Berge“. Ein rauschender Hexensabbat, der vom Dirigenten vorsichtig gesteigert wurde, ehe der wilde Tanz im martialischen Säbelrasseln endete. Das Trompetenkonzert von Alexander Arutjunjan gab sich im Vergleich dazu deutlich geerdeter. Denn trotz Uraufführung während der Stalin-Ära ließ sich der Armenier keineswegs kriegstreiberisch gleichschalten und verfolgte stattdessen eine neoklassisch klare Tonsprache. Für Solotrompeter Johannes Moritz ideale Voraussetzungen, um sein Instrument in großen elegischen Bögen weich schwingen zu lassen und damit die nötige Fallhöhe für die rasanten Läufe der virtuosen Kadenz aufzubauen.TOBIAS HELL

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