Liebestipps vom Bestseller-Autor

von Redaktion

Dieser Roman ist eine Hommage an die Frauen. Noch auf seinem Sterbebett erzählt Nadim Suri: „Viele wunderten sich, dass mein Vater, der aus bäuerlichen Verhältnissen stammte, so liebevoll mit ihr (seiner Frau, Anm. d. Red.) umging und großen Respekt vor ihr und allen Frauen zeigte. Für mich war das ganz normal. Den ersten Samen, Frauen zu achten, hat meine Mutter mir bereits als Baby eingepflanzt.“ In einem Freiburger Krankenhaus spricht Suri diese Worte zu Said Mardini, dem Erzähler des Romans „Das Mosaik der Frauen“. Beide Figuren sind vor dem syrischen Regime nach Deutschland geflohen. Wie ihr Schöpfer, der Autor Rafik Schami.

Wie die Übersetzer und Dichter Mardini und Suri sieht sich Schami in der Rolle des Vermittlers zwischen den Kulturen. Und er weiß, das geht nur durch faszinierendes Erzählen. Darum ist sein neuer Roman nicht nur eine Hommage an die Frauen, sondern ebenso an die Kunst des Erzählens. In der Tat, wahrscheinlich wären die Menschen nicht zu Menschen geworden, wenn sie einander nichts erzählen würden.

Said Mardini wird vom Chefarzt, einem deutschen Freund, ans Krankenbett gerufen, um die Lebensschilderung Nadim Suris zu dokumentieren. In zehn Sitzungen berichtet dieser von den Frauen, die ihn prägten und jeweils einen Mosaikstein in seine Existenz setzten. In die herzzerreißenden Liebesgeschichten, in die fröhlichen Sexabenteuer, in die Seelenfreundschaften weben sich automatisch die kulturellen und politischen Gegebenheiten und Ereignisse ein.

Zunächst ist da die Gasse in Damaskus, in der Nadim aufwächst. Noch ist sie ein Paradies. Christen, Juden, Muslime leben gut zusammen. Heiterkeit und Hilfsbereitschaft herrschen. Aber je mehr der junge Mann von seiner Heimat jenseits der Straße kennenlernt und sich politisch betätigt, umso mehr wandelt sich das Paradies zur Hölle, in der die „arabische Sippe“ und Regierung (Aufstieg der Baath-Partei; Assad-Clan erringt die Macht) herrschen. Er überlebt nur, weil seine Ehefrau Salma seinen Tod perfekt vortäuscht.

Anhand von Suris Leben erläutert Rafik Schami spannend und didaktisch das Verhältnis von Frauen und Männern (inklusive Liebes- und Sextipps), von Syrern und Deutschen sowie den Strukturen im Nahen Osten. „Das Mosaik der Frauen“ spielt 2016, ist aber sehr aktuell und doch zeitlos, weil es Hoffnung für die Zukunft zulässt.SIMONE DATTENBERGER

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