Oldie-Schwof gab es mit Neulingen. © Jörg Heinrich
Dass Oldie-Bands mit nur noch ein, zwei Originalmitgliedern munter durch die Weltgeschichte tingeln, ist längst normal. Die 70er-Jahre-Helden Smokie schießen aber den Vogel ab: Bei der Besetzung, die jetzt im Münchner Circus Krone noch einmal den Wegzug von Nachbarin „Alice“ beklagte, ist gar keiner der Stars von früher mehr dabei.
Alle einstigen Mitglieder rund um Sänger Chris Norman sind Smokie im Laufe der Jahrzehnte abhandengekommen. Nun stehen fünf Einwechsel-Musiker auf der Bühne – die trotzdem für einen unterhaltsamen Oldie-Schwof sorgten. Smokie quasi ohne Smokie, rauchfreie Zone. Das klingt wie die Beatles mit Jim, Steve, Jack und Bruno statt John, Paul, George und Ringo. Sänger Pete Lincoln, einst schon mit Sweet („Fox on the Run“) auf Achse, macht als „Chris Norman, der Vierte“, als Nach-Nach-Nachfolger des Ur-Smokie, trotzdem einen guten Job. Die raue Stimme des Routiniers passt.
Famose Hits wie „I’ll meet you at Midnight“ oder „For a few Dollars more“ sind ohnehin unkaputtbar – auch wenn die cleveren Studio-Tricks der Produzenten-Genies Nicky Chinn und Mike Chapman im Biergarten-tauglichen Sound untergehen. Die Oldie-Fans lassen sich durch die doch recht kuriose Besetzung nicht den Spaß verderben. Die Frage ist eh, wer da noch durchblickt: Neben „Smokie“ ist auch die Band „Spirit of Smokie“ unterwegs – mit Sänger Dean Barton, dem Sohn des 1995 bei einem Autounfall verstorbenen Chris-Norman-Nachfolgers Alan Barton.
Die Smokie-Ahnenforschung ist kompliziert. Egal – Hauptsache, das „Mexican Girl“ kommt verführerisch wie eh und je daher. Hasta la vista!JÖRG HEINRICH