Die Weiten der Ozeane und ein vergleichbar großes männliches Ego, das sind die Leitmotive des autofiktionalen Debüts von Virginia Tangvald. Die Kanadierin folgt darin den Spuren ihres Vaters, des norwegischen Seglers Peter Tangvald. Eindringlich und fesselnd schildert sie dessen wahnwitzige Reise, die ihn erst über die Weltmeere führt und ihn schließlich zusammen mit seiner jüngsten Tochter an den Klippen der Insel Bonaire zerschellen lässt. Jahre später scheint sein Sohn Thomas ein ähnliches Schicksal zu erleiden. Virginia, die einzige Überlebende der auf See geborenen Tangvald-Kinder, geht in ihrem Buch und dem zeitgleich entstandenen Dokumentarfilm der Frage nach, wie es zur großen Tragödie ihrer Familie kommen konnte. Und die Lektüre lässt einige Fragen offen – etwa die nach den vielen Frauen des Abenteurers Peter Tangvald, von denen die Beziehung nicht alle lebendig überstanden haben.JP
Virginia Tangvald:
„Wir Kinder der offenen See“. Penguin, 192 Seiten; 24 Euro.
★★★★☆ Lesenswert