Jüdischer Historiker

von Redaktion

Marc Blochs Bücher zurückgegeben

Mehr als 80 Jahre nach ihrem Raub durch die deutschen Nationalsozialisten sind mehrere Bücher aus der Pariser Privatbibliothek des berühmten jüdischen Historikers Marc Bloch an Frankreich zurückgegeben worden. Bei einer Zeremonie in der französischen Botschaft in Berlin wurden der Familie am Donnerstagabend sieben Bände aus dem Eigentum Marc und Simonne Blochs überreicht. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bezeichnete die Rückgabe als „eine wichtige Geste der Anerkennung des historischen Unrechts“.

Aus Sicht von Frankreichs Botschafter in Deutschland, François Delattre, ist die Rückgabe ein wichtiges Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft und Zusammenarbeit im Bereich der Erinnerungskultur. Federführend bei der Rückgabe der Bücher ist die Berliner Staatsbibliothek. Aus ihrem Bestand wurden vier Bücher an Blochs Nachfahren zurückgegeben. Zwei weitere Bücher stammen aus der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, eines aus der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung im thüringischen Greiz.

Katharina Scheibe von der Staatsbibliothek Berlin sagte, sie könne es „nicht ausschließen, dass andere Bücher Marc Blochs in deutschen Bibliotheken sind“. Die Forschung hierzu sei „lange nicht beendet“. Die Bücher konnten nach Angaben der Bibliotheken unter anderem aufgrund der enthaltenen Besitzeinträge zugeordnet werden. Marc Bloch galt als einer der bedeutendsten französischen Historiker des 20. Jahrhunderts.

Der Mittelalter-Spezialist entstammte einer jüdischen Familie aus dem Elsass, auch sein Vater war ein bekannter Gelehrter. Von 1919 bis 1936 lehrte Bloch mittelalterliche Geschichte an der Universität Straßburg. Er ist einer der Mitbegründer der Zeitschrift „Annales“. Sein zweibändiges Werk „Die Feudalgesellschaft“ gilt als Klassiker in der Geschichtsforschung.

Während des Zweiten Weltkriegs schloss sich Bloch der Résistance an, dem französischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer. 1944 wurde er in Lyon von der Gestapo festgenommen und gefoltert und schließlich mit 29 seiner Kameraden hingerichtet.

Marc Blochs umfangreiche Bibliothek enthielt knapp 7000 Bände in französischer, deutscher, englischer und italienischer Sprache, darunter neben Literatur Werke zu Geschichte und politischer Ökonomie. Nach der deutschen Besetzung von Paris versuchte Bloch zunächst, die Sammlung unter den Schutz des Bildungsministeriums zu stellen – was allerdings ebenso scheiterte wie eine Schenkung an die Universitätsbibliothek. 1941 wurde die Bibliothek von den deutschen Besatzern in Blochs Pariser Wohnung beschlagnahmt. Blochs Familie bemühte sich nach Kriegsende um eine Rückgabe der Bücher.AFP

Artikel 7 von 11