BoBo bombastisch

von Redaktion

Schweizer Kult-DJ beschert in der Olympiahalle die 32-Hit-Sause

Unverwüstlich und bodenständig gibt sich der 58-jährige Entertainment-Routinier. © Martin Hangen

„Das große Abenteuer“ nennt DJ Bobo seine neue Show, die von den Fans in der ausverkauften Olympiahalle zweieinhalb Stunden lang bejubelt wurde. © Martin Hangen

Waren die 90er-Jahre wirklich die beste Zeit der Welt? Vor 9/11? Vor Instagram, TikTok und KI, die uns heute um den Verstand bringen? Mit Eurodance als Soundtrack einer unkomplizierteren Zeit? Die Fans, die jetzt in der ausverkauften Münchner Olympiahalle den Schweizer Spektakel-Spezialisten DJ BoBo bejubelten, würden die 90er-Jahre-Frage garantiert mit Ja beantworten.

Der unverwüstliche René Baumann zauberte neue Traumschlösser auf die Bühne und veranstaltete seinen ganz eigenen, knallbunten „BoBovision Song Contest“. Klare Sache bei der Publikumswertung: Switzerland, twelve points! Das Erfolgsrezept des gelernten Bäckers und Konditors geht immer noch auf.

„The Great Adventure“, das große Abenteuer, hat der 58-jährige Entertainment-Routinier seine nagelneue Show getauft. Und er hält Wort. Die mehrstöckige Riesenbühne ist eine Mischung aus ägyptischer Pyramide und Matterhorn. Auf dem Catwalk in die Arena fliegen Ringe-Turner durch die Luft, dass Helene womöglich neidisch wird. Tanzende Skelette und gruselige Geister schwirren durch die Halle. Und die „BoBo Dancers“, quasi die verschärfte Version des Schweizer Fernsehballetts, wechseln mühelos zwischen Eurodance und Samba.

Selbst wer die BoBo-Hits von „Together we fly“ bis „Chihuahua“ musikalisch eher unterkomplex findet und wer den DJ nicht gerade für den größten aller Rapper hält, hat Riesenspaß an der Sause, bei der alle fünf Sinne Achterbahn fahren – man kommt mit dem Schauen gar nicht hinterher. Zu bestaunen gibt es einen Mix aus Alpen-Las-Vegas und dem singenden Europapark Rust. Die Videoprojektionen auf die Bühne sind technisch so clever umgesetzt – da wird der Eidgenosse zum Bytegenossen. Außerdem ist der Kundenservice klasse. Baumann spielt natürlich noch mit Liveband – und nicht, wie bei 90er-Jahre-Shows sonst üblich, mit Mucke aus der Konserve. Fotografieren und Filmen ist während des gesamten Konzerts ausdrücklich erlaubt.

In zweieinhalb Stunden gibt es 32 Hits zu hören, mehr geht kaum. Und der DJ präsentiert die Sause an der Seite seiner Münchner Ehefrau und Sängerin Nancy Baumann so freundlich und unprätentiös, dass man ihm die Begrüßung seiner „Fan-Familie“ in der Olympiahalle aufs Wort glaubt. An diesem Abend kapieren selbst Eurodance-Skeptiker, wofür dieses rätselhafte „BoBo“ eigentlich steht: für bodenständig und bombastisch.JÖRG HEINRICH

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