Was wie eine Zeitungsnachricht beginnt („Am 2. Juli 2022 sorgte ein spektakulärer Raubüberfall in Genf für große Aufregung.“), entwickelt sich zu einer schillernden Meisterdieb-Geschichte. Missgunst, Begehren, Eifersucht und Hass inklusive. Der Roman „Ein ungezähmtes Tier“ von Jöel Dicker spielt im kleinen, aber noblen Ort Cologny in der Nähe des Genfer Sees. Die Geschichte rankt sich um zwei Familien. Ein Raubüberfall, ein Stalker, ein Geheimnis aus der Vergangenheit – der Autor wartet mit vielen Klischees und Stereotypen auf. Und doch passt genau diese Oberflächlichkeit meisterhaft zu seinem Spiel aus Schein und Sein. Schnelle Perspektivwechsel und unterschiedliche Zeitebenen fügen sich ineinander, erhöhen den Nervenkitzel. Ein Roman, der auf Spannung und Unterhaltung setzt. Was anfänglich nicht zusammengepasst hat, fügt sich zusammen. Sodass erst am Ende die Bedeutung des Titels „Ein ungezähmtes Tier“ die volle Wucht erfährt.ELK
Jöel Dicker:
„Ein ungezähmtes Tier“. Piper, 432 Seiten; 26 Euro.
★★★★☆ Lesenswert