Favorit für die Staatsoper

von Redaktion

Vieles deutet darauf hin: Petr Popelka wird Generalmusikdirektor

In Aktion: Petr Popelka ist derzeit Chefdirigent der Wiener Symphoniker. © Vojtech Brtnicky

Überraschende Personalie: Petr Popelka (40) ist gebürtiger Tscheche und gilt als Senkrechtstarter. © Susanne Hassler-Smith

Zu einem Märchen wird man sich demnächst wiedersehen – am 23. Juli, bei der Festspiel-Wiederaufnahme von Dvořáks Nixen-Geschichte „Rusalka“. Dann steht Petr Popelka im Graben des Münchner Nationaltheaters. Und es spricht sehr viel dafür, dass der 40-Jährige dies künftig häufiger tun wird: Der gebürtige Tscheche ist der Favorit für den Posten des Generalmusikdirektors, dies ist aus Wiener und Münchner Musikkreisen zu erfahren. Er wäre damit Nachfolger von Vladimir Jurowski, der bekanntlich 2029 auf eigenen Wunsch das Haus verlässt.

2025 Debüt im Nationaltheater

Eine überraschende Personalie ist das, und zwar aus zwei Gründen. Zum Favoritenkreis zählten Joana Mallwitz, Daniele Rustioni oder Thomas Guggeis. Letzterer hatte im März eine glänzende „Salome“-Serie dirigiert, zur großen Freude von Publikum und Bayerischem Staatsorchester. Doch der 33-jährige Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt bleibt mit großer Wahrscheinlichkeit am Main.

Die zweite Überraschung: Petr Popelka ist nicht unbedingt ein genuiner Operndirigent. Sein Repertoire ist mit Blick auf ein großes Haus wie die Bayerische Staatsoper (noch) klein. Gleichwohl hat er schon bedeutende Werke des Musiktheaters dirigiert, unter anderem Puccinis „Tosca“ an der Berliner Staatsoper Unter den Linden, Wagners „Tristan und Isolde“ an der Deutschen Oper Berlin, Mozarts „Don Giovanni“ am Opernhaus Zürich, Strauss‘ „Fledermaus“ am Theater an der Wien und Janáčeks „Káťa Kabanová“ – Letzteres an der Bayerischen Staatsoper, mit diesem Werk debütierte er im Juli 2025 in München.

Seit der Saison 2024/25 ist Popelka Chefdirigent der Wiener Symphoniker, auch diese Entscheidung war seinerzeit überraschend. Damit ist er auf einer der wichtigsten Musikbühnen weltweit aktiv und hat sich dies auch zunutze gemacht. Nicht nur im traditionellen Konzertabend: Immer wieder tritt Popelka als Solist gemeinsam mit Musikerinnen und Musikern auf. Außerdem hat er in Wien die „Hör-Bar“ entwickelt, ein zwangloses Talk-Format im Keller des Musikvereins. Popelka stellt dabei auf lockere Art Werke vor, die ihm am Herzen liegen.

Der Tscheche gehört damit zu der Generation junger Dirigenten, die sich nicht als klassische, traditionelle Pultarbeiter begreifen. Zumal Popelka noch zwei weitere musikalische Standbeine hat: In Prag und in Freiburg ließ er sich zunächst zum Kontrabassisten ausbilden und spielte zum Beispiel in der Staatskapelle Dresden. Darüber hinaus ist er Komponist und hat Werke für verschiedene Genres geschrieben. Ein musikalisches Multitalent also.

Von seinem künstlerischen Zuschnitt passt er damit zur Linie des Staatsopern-Intendanten. Wie zu hören ist, hat Serge Dorny schon vor längerer Zeit Popelka ins Spiel gebracht. Aus Bayerns Kunstministerium gibt es zu dieser Personalie weder eine Bestätigung noch ein Dementi. Popelka wird immer wieder als Senkrechtstarter der Szene bezeichnet. Kurz nachdem er seine Karriere als Kontrabassist aufgegeben hatte, stand er bereits bei renommierten Orchestern am Pult. Von 2020 bis 2023 war er Chefdirigent des Norwegischen Rundfunkorchesters in Oslo, seit der Saison 2022/2023 ist er noch Chef des Prager Rundfunkorchesters. Als Gastdirigent wurde er vom Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, vom Los Angeles Philharmonic, dem Leipziger Gewandhausorchester und dem Chicago Symphony Orchestra engagiert.

Möglich, dass er seine Wiener Stelle behält

Es ist nicht ausgeschlossen, dass Popelka neben seiner Tätigkeit an der Staatsoper eine weitere Chefposition behält. Denkbar wäre, dass er seinen Vertrag bei den Wiener Symphonikern verlängert. Mit dieser Doppelgleisigkeit wäre er nicht allein: Vladimir Jurowski ist derzeit zwar Generalmusikdirektor in München, leitet aber noch das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Vom Typ her ist Popelka deutlich anders gestrickt als Jurowski. Der Tscheche ist ein nahbarer, herzlicher, eher unkomplizierter Künstler, der relativ schnell Sympathien gewinnt. Seit seinem Münchner Dirigat von „Káťa Kabanová“ ist er auch bei vielen im Bayerischen Staatsorchester beliebt – gerade weil er sich als gelernter Instrumentalist in Musikerinnen und Musiker hineinfühlen kann.

Ob er also klassischen Dirigenten etwas voraus hat? „Ich würde nicht unbedingt sagen, dass ich etwas besser mache“, sagte Popelka einmal unserer Zeitung. „Ich kann vielleicht bestimmte Dinge schneller begreifen – eben, wie sich ein Orchestermusiker fühlt. Vielleicht habe ich eine gewisse Sensibilität gewonnen. Zum Beispiel für Situationen, wenn sich der Musiker beginnt zu langweilen. Oder wenn bestimmte Grenzen erreicht werden. Das Wichtigste für einen Dirigenten bleibt: Er muss ein Orchester lesen können, egal ob in der Probe oder im Konzert.“MARKUS THIEL

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