Große Liebe: Nicole mit ihrem Ehemann Winfried. © T&T
Gute Freunde: Ralph Siegel und Nicole. © Instagram
Mit ihrer Gitarre spielte sie sich 1982 in die Charts. © dpa
Sängerin Nicole steht seit 45 Jahren auf der Bühne und denkt nicht ans Aufhören. Nun bedankt sie sich bei ihrem Publikum mit einem neuen Song. © Jan Woitas/dpa
Ihre neue Single heißt „Ich will mehr“. „Ich will mehr von diesem Leben, diesen Liedern, diesem Glück. Von den Lichtern und den Gesichtern. Das ist eine Liebeserklärung an mein Publikum“, sagt Nicole (61). Nach ihrer Brustkrebsdiagnose vor sechs Jahren schaut die Sängerin mutig nach vorn, aber auch stolz zurück auf ihre 45-jährige Musikkarriere. Warum sie froh ist, dass ihre Töchter nicht im Showgeschäft sind, und warum sie seit keinen Zucker isst, verrät Nicole im Interview.
Ihr Album „Meine Schätze“ erscheint im September. Dann gehen Sie auch auf „Meine Schätze“-Tour. Sind Sie im Zeitplan?
Absolut im grünen Bereich. Ich lade auch Gastmusiker ein, zwei fehlen noch. Und ich werde noch einmal ins Studio gehen und mir jeden Titel vornehmen, da und dort eine eigene Chorstimme dazusingen und damit kleine Fünkchen oder Lichtpunkte setzen.
Ende 2020 bekamen Sie die Diagnose Brustkrebs. Heute gelten Sie als geheilt. Singt man „Ich will mehr“ mit diesem Hintergrund mit einer anderen Tiefe?
Ein klares Ja. Über allem steht die Frage: Müssen schlimme Dinge erst passieren, damit man begreift, dass dieses Leben endlich ist? Und „Ich will mehr“ ist eigentlich die Fortsetzung dieser Frage: Ich will mehr genießen, mehr vom Leben, mehr dieser Glücksmomente. Ich möchte Abenteuer. Das Leben hält noch so viel bereit – das war es noch nicht.
Sie sind seit 45 Jahren im Musikgeschäft. Erinnern Sie sich an Ihre Anfänge?
Es fing mit Talentwettbewerben an, und ich hatte einige davon gewonnen. Dadurch bekam ich eine Einladung nach Schwäbisch Hall auf Schloss Hornberg zur Gründung einer Schweizer Plattenfirma. Dort traf ich auf Musikproduzent Robert Jung. Der kam sofort auf mich zu und sagte: „Wir müssen was machen.“
Und durch ihn kam der Kontakt zu Ralph Siegel, mit dem Sie Musikgeschichte geschrieben haben?
Robert Jung lud mich nach München ein und spielte mir das Lied „Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund“ vor – das sollte meine erste Platte werden. Wir haben es bei EMI Electrola eingereicht. Am nächsten Tag kam die Absage. Aber Robert ließ nicht locker und fuhr mit mir zu Ralph Siegel. Der zögerte keine zwanzig Sekunden: „Du bist hier richtig.“
Ihre Töchter sind beide nicht im Showgeschäft. Sind Sie froh darüber?
Ich bin froh, wie es ist. Die Erstgeborene Marie-Claire ist eine ausgezeichnete Logopädin, sehr beliebt bei Kindern und Erwachsenen. Die Zweite, Joëlle, ist ganz anders – sie kennt sich mit Social Media aus und macht sehr viel für mich: Videos, Statements, Posts. Das kann ich alles nicht. Wenn eine von beiden gesagt hätte, ich möchte auf die Bühne, hätte ich das nicht verhindert – aber ich hätte sie gefragt: Willst du deine Anonymität aufgeben? Weißt du, was du dabei opferst? Sobald du das Haus verlässt, bist du quasi zum Abschuss freigegeben. Das Leben vor der Kamera hat viele schöne Seiten – aber man muss auch die weniger schönen akzeptieren.
Sie sind seit 42 Jahren verheiratet. Was ist das Geheimnis?
Das Zauberwort lautet Respekt. Wir sind nicht immer einer Meinung – natürlich wird auch gestritten. Aber es muss auf hohem Niveau passieren, nichts unter der Gürtellinie. Wenn man den Respekt verliert, ist das der Anfang vom Ende. Bei uns ist das nie passiert. Wir haben viele gemeinsame Interessen, gehen gern aus, laden Freunde ein, verreisen in dieselben Länder. Das Einzige, wo wir uns weniger einig sind, ist Sport.
Stimmt es, dass Sie keinen Zucker essen?
Ja, seit 40 Jahren keinen Zucker – also Raffinade, wie man sie kennt. Keine Schokolade, keinen Kuchen. Alles, was süß schmeckt, enthält Zucker. Ich habe keine Allergie, aber eine Abneigung. Das begann, als unsere Tochter Marie-Claire etwa ein Jahr alt war und ich beim Kinderfasching saß. Mein Lieblingskuchen war Kirschstreusel. Ich saß mit den anderen Müttern am Tisch, hatte das Kuchenstück schon zur Hälfte gegessen – und plötzlich eine Eingebung. Ich legte die Gabel beiseite und sagte: „Das war mein letzter Bissen Kuchen.“ Die anderen haben mich ausgelacht. Das ist jetzt 40 Jahre her.