Optisch überreizt

von Redaktion

Wiederaufnahme von „Turandot“

Selbst im Tohuwabohu der Fura-dels-Baus-„Turandot“ an der Bayerischen Staatsoper behauptet sich die Rätselszene als spannungsgeladenes Zentrum. Das war bei der Wiederaufnahme der 15 Jahre alten Produktion, die noch immer mit den 2011 hippen 3-D-Effekten spielt, am Samstagabend im ausverkauften Nationaltheater zu spüren.

Wo damals Anna Netrebko ihre erste Eis-Prinzessin sang, panzerte sich nunmehr ihre Landsfrau Olga Maslova in der Titelrolle effektvoll mit kühl leuchtendem Sopran und dramatischem Aplomb und versuchte so, sich die Freier vom Halse zu halten.

Nach nicht bestandener Rätsellösung ließ sie deren Köpfe rollen… Mit denen über-füllten Regisseur Carlus Padrissa, Bühnenbildner Roland Olbeter und Videokünstler Franc Aleu Bühne und Hintergrund in ihrem optisch gnadenlos überreizten Spektakel.

Dabei geriet Puccinis doch in Bezug auf Vorheriges („Bohème“, „Butterfly“, „Tosca“) so eigenwillige Musik ins Hintertreffen. Henrik Nánási hielt am Pult des Staatsorchesters zwar äußerst phonstark dagegen, was zumindest den mächtigen Chor (Christoph Heil) nicht schreckte. Den zuweilen kräftig forcierenden Solisten gönnte er wenige Momente der Innerlichkeit: So dem unerschrockenen Prinzen Calaf, nach dessen Hit, „Nessun dorma“, das Publikum Jonas Kaufmann heftig bejubelte. Dafür hatte er, der zuvor mit Linienführung und Höhe zu kämpfen hatte und in unschöne Vokalverfärbungen geflüchtet war, noch einmal alle Kräfte gebündelt.

Ermonela Jaho nutzte Liùs Arie, um ein inniges Liebesgeständnis abzulegen und den alten Timur (markant: Dmitry Ulyanov) zu retten. Als Ping, Pang und Pong glänzten Armand Rabot, Tansel Akzeybek und Samuel Stopford stimmlich wie darstellerisch und ernteten ebenfalls viel Applaus.GABRIELE LUSTER

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