Vertragsunterzeichnung: Petr Popelka (Mi.) mit Serge Dorny (li.) und Markus Blume. © Marcus Schlaf
Senkrechtstarter: Mit 40 Jahren hat Petr Popelka schon eine beachtliche Karriere hinter sich und wird nun, ab der Spielzeit 2029/30, Generalmusikdirektor. © Marcus Schlaf (2)
Unsere Zeitung schrieb bereits davon, jetzt ist es ganz offiziell: Petr Popelka wird Bayerischer Generalmusikdirektor und übernimmt damit die musikalische Leitung der Bayerischen Staatsoper sowie des Bayerischen Staatsorchesters. Der 40-Jährige, seit der Saison 2024/25 Chefdirigent der Wiener Symphoniker, folgt auf Vladimir Jurowski, dessen Amtszeit in München nach der Spielzeit 2028/29 endet. Am Mittwoch unterschrieb Popelka seinen Vertrag im Königssaal des Nationaltheaters, zusammen mit Staatsopernintendant Serge Dorny und Kunstminister Markus Blume.
Sie waren es auch, die die Entscheidung für Popelka trafen. Eine scheinbar unpopuläre Entscheidung, denn Popelka spiele „noch nicht in der absoluten Superstar-Liga“, wie es Blume formulierte. Doch es gehe eben nicht darum, nur der Tradition und „den Hausgöttern gerecht zu werden“, sondern in die Zukunft zu blicken. Überhaupt: Auch die großen Namen wie Richard Strauss, Wolfgang Sawallisch, Georg Solti oder Hans Knappertsbusch seien erst durch ihre Position in München zu „Legenden“ geworden, wie es Dorny formulierte.
Dorny und Blume rechtfertigen die Personalentscheidung ausführlich, sprechen von Popelkas Mut, Offenheit und großer Akzeptanz beim Bayerischen Staatsorchester, das sich Popelka wohl auch gewünscht habe. Man wolle gemeinsam Musikgeschichte schreiben. Die Tradition bewahren, aber künstlerisch Neues wagen. Diesen Raum wolle man Popelka geben.
Und Popelka selbst? Er kennt die Bayerische Staatsoper noch aus seiner Studienzeit. Da habe er bereits „in den hinteren Rängen“ das Repertoire verfolgt. Er liebe München, seit Langem bewundere er „die unglaubliche Tradition und Innovationskraft dieses Hauses“. In wenigen Metropolen habe Oper heute noch den Stellenwert wie in der bayerischen Landeshauptstadt. „Seit Jahrzehnten setzen die Münchner Opernabende und Konzerte des Bayerischen Staatsorchesters Maßstäbe, und ich fühle mich geehrt, zum neuen Generalmusikdirektor ernannt worden zu sein.“ Was er am Mittwoch schon klar machte: Popelka wird seinen Spagat zwischen Oper und Sinfonik auf keinen Fall aufgeben. Und er will bis zu 40 Opernabende bestreiten, dazu die Symphoniekonzerte. Schon heute steht fest: Richard Strauss und Mozart stehen auf seiner Agenda.
Popelka betonte bei der Pressekonferenz gestern die „Gemeinschaftsleistung“, wie sie in kaum einem anderen Beruf existiere. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem herausragenden Bayerischen Staatsorchester, dem Bayerischen Staatsopernchor und dem Ensemble der Bayerischen Staatsoper, aber auch mit allen Gewerken und dem Management des Hauses – und nicht zuletzt auf das Münchner Publikum und Gäste aus aller Welt, die hier Musik und Oper auf einmaligem Niveau erleben wollen.“
Die Personalie geht maßgeblich auf Intendant Serge Dorny zurück. „Über viele Jahre hinweg konnte ich seine künstlerische Entwicklung aufmerksam verfolgen, zuletzt insbesondere in seiner Arbeit mit den Wiener Symphonikern“, erklärt Dorny. „Dabei haben mich seine musikalische Klarheit, seine außergewöhnliche Fähigkeit zur Klanggestaltung und seine unmittelbare Verbindung zu Musikerinnen und Musikern nachhaltig beeindruckt.“ Minister Blume hält Petr Popelka für „eine der spannendsten Dirigentenpersönlichkeiten seiner Generation“. Popelka vereine „künstlerische Exzellenz mit einem tiefen Verständnis für das, was einen großen Klangkörper zusammenhält und erfolgreich macht“, so Blume.MARIA ZSOLNAY KOMMENTAR, SEITE 2