100 Jahre Kammerspiele

von Redaktion

Wie das Haus sein Jubiläum und die kommende Spielzeit feiert

Das Haus an der Münchner Maximilianstraße. © Kammerspiele

Das leere Haus trügt: Intendantin Barbara Mundel (li.) freut sich über eine gute Auslastung. Jan-Christoph Gockel (re.) wird in der kommenden Saison Shakespeare inszenieren. © Fotos: Archiv, Singh, Schlaf

Grund zum Feiern haben die Münchner Kammerspiele momentan eine Menge. „Wir haben wirklich eine sehr beglückende Saison hinter uns, künstlerisch und wirtschaftlich“, fasst Intendantin Barbara Mundel es zu Beginn der Pressekonferenz anlässlich der Spielzeit 2026/27 zusammen. Mit der „Rekordzahl“ von 170.000 Besuchern ist die Saison 2025/26 „die besucherstärkste Spielzeit seit der Datenerfassung von 2004“, freut sich die Hausherrin. „Und wir werden eine voraussichtliche Auslastung von 80 Prozent erreichen.“ Dazu kommen zwei Einladungen zum Berliner Theatertreffen und weitere zwei zu den Mühlheimer Theatertagen. Thomas Schmauser wurde dreifach ausgezeichnet, Katharina Bach hat den 3Sat-Preis erhalten und Nora Abdel-Maksoud wird im November mit dem Münchner Theaterpreis geehrt, für ihre Uraufführungen „Jeeps“, „Doping“ und „Wokey-Wokey“. Und Lucy Wilke wird mit dem Förderpreis Theater der Stadt München ausgezeichnet.

Ein weiterer Jahrestag wird gleich zu Beginn der Spielzeit 2026/27 im September gefeiert werden. Dann residieren die Kammerspiele genau 100 Jahre an der Maximilianstraße. Im Herbst 1926 zog das Theater von der Augustenstraße ins Schauspielhaus. Mutiges, innovatives Theater gehöre schließlich mitten ins Zentrum der Stadt, befand man damals. Nicht ahnend, dass die weltoffenen Zeiten der Weimarer Republik nur noch sieben Jahre währen würden. „Mit seinen vielfältigen Bezügen nach Ost- und Mitteleuropa ist diese Gründungsphase der Münchner Kammerspiele für uns und unser Programm heute ein wichtiger Orientierungspunkt“, formuliert es Barbara Mundel. Den Auftakt dieses Jubiläums „zwischen Festlichkeit und kritischer Selbstbefragung“ bildet daher folgerichtig „Dantons Tod“ (23.9.26) nach Georg Büchner, gemeinsam erarbeitet vom Ensemble mit der Theatergruppe Post Paradies aus Jena. Mit diesem Stück eröffnete 1926 auch Otto Falckenberg sein soeben umgezogenes Haus.

Doch Mundel und ihr Team untersuchen auch die weniger partytauglichen Aspekte der Kammerspiele während des Dritten Reichs. Die Arisierung des Hauses, Denunziationen, die Vertreibung der vielen jüdischen Künstler und Künstlerinnen in jenen Jahren – all dies soll in verschiedenen Veranstaltungen zur Sprache kommen. In Lesungen etwa, wie jener mit Texten von Grete Weil am 15.10.26 im Werkraum oder, in Kooperation mit dem Lehrstuhl Theaterwissenschaften an der LMU, in einem sich über zwei Tage (8./ 9.10.26) erstreckenden Symposium zu Theater, deutsch-jüdischer Geschichte und NS-Erbe unter dem Titel „Revisiting Kammerspiele“.

Am 17. Oktober ist Felicitas Bruckers Inszenierung von Horvaths Roman „Jugend ohne Gott“ zu sehen und Jan-Christoph Gockel stemmt für die Premiere am 23. Januar 2027 mit „Die Rosenkriege“ Shakespeares Königsdramen als „Tetralogie der Macht“ auf die Bühne.

Neben dem Jubiläums-Schwerpunkt gibt es einen zum Thema „Patriarchat verlernen“. „Darin widmen wir uns der allgegenwärtigen Präsenz von sexualisierter Gewalt in unserer Gesellschaft“, so Mundel. „The truest True Crime“ nennt Autorin Anne Jelena Schulte diese „Geschichte vom Überleben“ und verhandelt in der Uraufführung am 11.Dezember die eigene Vergewaltigung in einem so klugen wie beklemmenden Theatertext. Im weiteren Schwerpunkt „Neue Realitäten“ dreht sich alles um KI und die damit einhergehende, veränderte Wahrnehmung unserer Körper mit allen verbundenen Manipulationen und Verheißungen. „Heaven will come“ heißt die Uraufführung von Thomas Köck (27.2.27) dazu. Der Untertitel „Ein Stück Familienhorror mit Datenresten“ zeigt bereits, dass der Himmel noch auf sich warten lässt. Alle weiteren Infos: www.kammerspiele.deULRIKE FRICK

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