Immer im Herzen

von Redaktion

Chefdirigent Ivan Repušić feierte seinen Abschied vom Münchner Rundfunkorchester

Würdigte den Dirigenten: BR-Intendantin Wildermuth.

Wurde bei seinem Abschied heftig gefeiert: Ivan Repušić am Mittwochabend im Prinzregententheater. © Konvalin/BR

Wie schnell neun Jahre doch manchmal vorbeiziehen. Aber wenn man gemeinsam Spaß hat, dann vergeht die Zeit eben immer ein wenig schneller. Freundschaft war daher quasi auch das inoffizielle Motto des großen Gala-Konzerts, mit dem Chefdirigent Ivan Repušić nun im Prinzregententheater seinen Abschied vom Münchner Rundfunkorchester feierte. Gemeinsam mit Fans und Familie sowie mit prominenten Landsleuten wie Komponist Frano Parać oder Ex-„Tatort“-Kommissar Miroslav Nemec.

Sie alle erlebten drei emotional aufgeladene Stunden, in denen man noch einmal auf die Höhepunkte der Ära Repušić zurückblickte. Auf Themen-Schwerpunkte wie die Musik seiner kroatischen Heimat, mit der bei Tourneen nach Zagreb und Dubrovnik auch neue internationale Freundschaften geknüpft wurden. Auf spannende Raritäten. Aber vor allem auf seinen geliebten Verdi, der hier gleich viermal auf dem Programmzettel stand. Was reichlich Gelegenheit bot, um ein weiteres Mal das mediterrane Klangideal zu genießen, das Repušić mit seinem Ensemble über die Jahre immer wieder gepflegt und verfeinert hatte.

Gerade der vom BR-Chor mit Herzblut intonierte Gefangenenchor aus „Nabucco“ war dabei natürlich ebenso bewusst gewählt, wie die „Hymne an die Freiheit“ von Jakov Gotovac. Seit seinen Kindertagen ein persönliches Lieblingsstück des scheidenden Chefdirigenten und ein überzeugtes Plädoyer für Frieden und demokratische Werte, das als Rausschmeißer des Abends frenetisch bejubelt wurde. Mit stehenden Ovationen für Ivan Repušić. Aber auch für die acht „Artists in residence“, die in seiner Amtszeit das Repertoire entscheidend mitgeprägt hatten und für diesen besonderen Abend alle noch einmal nach München gekommen waren.

Da gab es unter anderem ein Wiedersehen mit dem Flötisten Emmanuel Pahud, der das Publikum mit einer atemberaubenden Darbietung von Cécile Chaminades „Concertino“ begeisterte. Aber auch mit dem nicht minder virtuosen Percussion-Star Simone Rubino, oder Sopranistin Krassimira Stoyanova. Sie berührte hier mit der melancholischen Szene der Desdemona aus Verdis „Otello“, bei der sie im Dialog mit den differenziert agierenden Holzbläsern zarte Piano-Phrasen spinnen durfte.

Eine ebenso abwechslungsreiche wie kluge Zusammenstellung, die zeigte, dass Repušić neben seinem Gespür für effektvollen Klangrausch auch ein sensibler Zuhörer sein kann, der sich aufs Begleiten versteht und persönliche Eitelkeiten auf der Bühne hintanstellt. Und so war es tatsächlich mehr als nur eine Phrase, als er versprach, die Münchner Zeit „immer im Herzen zu tragen“. Genauso wie die letzten Worte an seine Musikerinnen und Musiker, von denen sich auch das Publikum angesprochen fühlen durfte: „Bleiben Sie so neugierig und optimistisch!“TOBIAS HELL

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