Ein Erlebnis-Park für alle Sinne

von Redaktion

Die isländische Videokünstlerin Steina (86) zeigt im Haus der Kunst ihre aktuellen Werke

Von surreal bis abstrakt: Steinas Videos.

Die 86-jährige Videokünstlerin Steina. © Friðgeir Helgason

Beeindruckend: die großen Bildschirme in den Räumen im Haus der Kunst. © Foto: Milena Wohjan/HdK

Die isländische Künstlerin Steina ist 30 Jahre alt und präsentiert erstmals im Münchner Haus der Kunst ihre topaktuellen Installationen, bei denen nicht nur Klang und Bewegtbilder elektronisch verfremdet, sondern auch miteinander verwoben werden. Das könnte die Autorin dieser Zeilen einfach so behaupten und käme damit sogar durch, wenn die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung „Steina: Playback“ nur die Werke sehen könnten. Die als Steinunn Briem Bjarnadóttir geborene Künstlerin und akademische Geigerin ist freilich in Wirklichkeit 1940 in Reykjavik geboren.

Handybilder, KI und Fälschungen

Kein Wunder also, dass Andrea Lissoni, Chef des Hauses der Kunst, bei der Pressevorbesichtigung von einer „Pionierin“ spricht, die „grundlegend“ zum Verhältnis Bild-Maschine-Klang-Raum geforscht habe. Probleme, die uns heute angesichts von Handybilderflut, KI und massenhaften Fälschungen extrem umtreiben. Wie Künstlerinnen all das aufgreifen, stellt Lissoni seit Jahren konsequent in verschiedenen Expositionen dar. Und das ausgesprochen unterhaltsam.

Da passt Steina perfekt. Ihre „Kompositionen“, bei denen bereits die elektronischen Signale bearbeitet werden, sind spielerisch, verwirrend, augenzwinkernd lustig, bisweilen unheimlich, dann eher dokumentarisch, real, surreal oder abstrakt. Die Schau wurde entwickelt von Natalie Bell und Helga Christoffersen vom MIT List Visual Arts Center und dem Buffalo AKG Art Museum. Für München haben die Kuratorinnen Lydia Antoniou und Marlene Mützel daraus eine exzellent gestaltete Präsentation gezaubert – was bei Video-Installationen schwer ist. Die beiden bieten in der Nord-Galerie keine brav chronologische Abhak-Tour, sondern einen Erlebnis-Park.

Steina selbst spricht von „Environment“, ein in den 60ern und 70ern gebräuchlicher Begriff. Im Haus der Kunst stimmt er fühlbar, weil alle freundlich umfangen werden von Klang, Bild, teils auf riesigen Filmleinwänden, die im Raum frei hängen, teils auf Bildschirmen in kuscheligen Separees. Man merkt: Die Isländerin, die in Prag ihrer Liebe begegnete, mit ihr nach New York floh, dort mit der Elektroakustischen-Kunst-Avantgarde zusammenarbeitete und schließlich in New Mexico zur Natur fand (toll-raffinierte Aufnahmen), arbeitet seit 50 Jahren auf uns hin: Beim Betrachten, Hören, Durch-ihre-Werke-Flanieren merkt man, wie diese Kontakt aufnehmen. Und damit das wirklich jeder kapiert, gibt’s zum Schluss mehrere „versteckte“ Kameras, die uns an die Wand „malen“. Selbstverständlich ganz schön schräg.

Bis einschließlich 7. Dezember, Mi.-Mo. 10-20 Uhr; Gratis-Eintritt jeden letzten Freitag im Monat von 16-22 Uhr; Telefon: 089/ 211 27 113; Führungen und Kurse unter hausderkunst.de/kalender.SIMONE DATTENBERGER

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