UNSERE KURZKRITIKEN

Risse im Rechtssystem

von Redaktion

Wer sich für Ferdinand von Schirachs Kurzgeschichten über das Kriminalrecht begeistern konnte, wird Elisa Hoven lieben. Die Autorin ist Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof und hat mit der Strafverteidigerin Eva Herbergen eine literarische Figur geschaffen, die ihre Leserschaft in einen Sog aus fein ausgeleuchteten Kriminalfällen zieht. Die Geschichtensammlung „Dunkle Momente“ gab 2025 einen wunderbaren Vorgeschmack auf ihren schnörkellosen und dennoch empathischen Erzählstil. Auch in „Feine Risse“ – ihrem eben erschienenen Buch – führt Hoven in einzelnen Episoden durch ein Dickicht von Zufälligkeiten, die bei der Entstehung eines Verbrechens entscheidend sind, und begleitet die Strafverteidigerin bei ihrer Gratwanderung zwischen Wahrheit und Lüge. Ein tödlicher Sturz in den Bergen, der Autounfall, bei dem ein Kind stirbt, oder ein scheinbar zufälliger Tod am Filmset – Hovens Geschichten sind nah an der Realität, packend erzählt und juristisch gut erklärt.AKI

Elisa Hoven:

„Feine Risse“, Fischer-Verlag, 288 S., 22 Euro.


★★★★☆ Lesenswert

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