Vom Dorf auf den Königsplatz

von Redaktion

Was der Schlager-Rapper Tream bei seinem Auftritt in München plant

Feierbiest vom Dorf: Tream auf dem Königsplatz und auf der Bühne. © Martin Hangen, Tream

Auch ein Schlager-Rapper ist in erster Linie nun mal ein Rapper und weiß, dass Klappern zum Geschäft gehört. Deswegen semmelt Timo Grabinger auch gleich renommierten Kollegen zünftig eine rein. „Ich war neulich beim Metallica-Konzert“, sagt er. „Also: Mir hat’s gar nicht gefallen. Du kannst dich heutzutage nicht mehr einfach auf die Bühne stellen und dein Zeug spielen, du musst den Fans etwas mitgeben. Eine Message.“ Na sauber, ein großes Mundwerk hat er, der 27-jährige Oberpfälzer, der sich Tream nennt.

Auch in seinen Songs – und sein Erfolg gibt ihm Recht. Sein fünftes Album „Stammtischparolen“ schoss vor zwei Wochen an die Spitze der Charts. Vor drei Jahren machte Tream sich aus dem Stand einen Namen, mit einem Stil zwischen Ballermann-Techno und Neo-Soul à la The Weeknd. Dazu deftige, bairisch eingefärbte Texte. Damals verkaufte er das erste Mal die Olympiahalle aus (zwei weitere Shows dort sollten folgen). Nun geht er auf „Zur Weißbierprobe“-Open-Air-Tour, die in einem Konzert am 14. August auf dem Königsplatz gipfelt, dem „Finale dahoam“.

Bescheidenheit ist also fehl am Platz an diesem Montag, an dem Tream gleich nebenan ins „Ella“ am Lenbachhaus geladen hat. Freilich: Diese Pressekonferenz bräuchte es nicht, wenn der Künstler wirklich schon jedem bekannt wäre. Aber irgendwie imponiert es einem, wie unbekümmert er seine bisherigen Leistungen in diese historische Kulisse hineinruckelt. Im Kinderzimmer habe er einen Traum gehabt: „Die beste Musik machen.“ Das habe er geschafft. Aber der Traum geht weiter: „Wir wollen besser werden, die Größten.“ Und klar, der Königsplatz sei schon ein Stück Geschichte, da freue er sich drauf. Übrigens: Der Kartoffelsalat heute sei großartig, lobt er die Häppchen. „Riesen-Dank an die Wirtin.“

Timos Kinderzimmer befand sich im Gasthaus „Grabinger“ in Büchelkühn bei Schwandorf. Er sei „Wirt in fünfter Generation“, betont Tream. Vielleicht auch, weil vor seinem Nebenmann ein Schild steht mit der Aufschrift „Georg VII. Schneider“. Der Brauer ist kaum älter als der Sänger und ließ sich von dessen Image als Feierbiest vom Dorf begeistern. „Du lebst das authentisch“, lobt er. Nun sind Schneider und Tream ein besonderes Joint Venture eingegangen: ein Weißbier nach Treams Vorgaben, das es nur am Königplatz geben wird (und in ausgewählten Kaufland-Filialen). Wie es schmeckt? Schneider sagt, man habe den „Fokus auf Drinkability“ gelegt, zu Deutsch: „Es ist ein echtes Sommer-Bier für eine junge Zielgruppe.“

Wer am 14. August dabei ist, kommt nicht nur in diesen Genuss, sondern kann sich abseits der Musik vergnügen: Nördlich der Propyläen werden eine Schiffschaukel, Bull-Riding, Hau-den-Lukas und Wurfbuden geboten sein – der Erlös wird einem Kinderheim gespendet. Einlass ist also schon um 16 Uhr – Schluss aber nicht vor 23 Uhr. Denn für seine Party bittet Tream Freunde und Weggefährten auf die Bühne: die Rapper Bausa und Gzuz, die Schlagersängerin und Pornodarstellerin Mia Julia, die Pinzgauer Party-Band Glueboys, die Sängerin und Influencerin Kati K sowie Partyschlagersänger Marc Eggers. Mit ihnen allen liegt Tream „auf einer Wellenlänge“, wie er sagt.

Genauso wie mit den anderen Teilnehmern der Vox-Sendung „Sing meinen Song“ neulich, bei der er sich vor allem mit Giovanni Zarrella verstand. Doch dann erinnert er sich daran, wie er krank und von Fieber geplagt auf dem Tafelberg in Südafrika auftreten musste. „Ich hab meinen Herzmuskel gespürt.“ Da erzählt er doch lieber von seiner Oma, die auch so eine Provokateurin sei wie er, er erzählt vom Dorf, der Natur und seinen Freunden. Wir erkennen: Das ist seine Message. Das und Party.JOHANNES LÖHR

Artikel 1 von 11