Der Schweizer Autor Max Küng. © Kein & Aber
Ein Landhaus in der Toskana, mit Pool und allem Komfort, drei Paare um die 50, einer kocht exzellent, die anderen trinken und essen wenigstens sehr gerne – was soll da schon schiefgehen? Sehr viel, wie der Schweizer Schriftsteller Max Küng in seinem Roman „Supertoskana“ beweist. Denn die Probleme, die innerhalb der munteren und äußerst heterogenen Gruppe allmählich die Szenerie verschatten, schwelen meist schon seit der Heimat. Jetzt, in Italien und bei zunehmend schlechtem Wetter, kulminieren die Konflikte bald aufs Herrlichste.
Das Haus gehört Salomé und Filipp. Sie hat es – und viel weiteres weltliches Gut in Form von Luxusimmobilien und Bankkonten – von ihren kürzlich bei einem Autounfall verstorbenen Eltern geerbt. Ist aber, ganz Tochter aus reichem Hause, wenig daran interessiert. Der recht erfolglos schauspielende Gatte Filipp dagegen sehr. Was auch der Grund sein dürfte, deutet Küng früh an, weshalb Filipp sich trotz aller gehässigen Gedanken über seine Frau noch nicht getrennt, sondern stattdessen auf eine längst fällige Vermählung gedrängt hat.
Gemeinsam mit den guten Freunden von einst, Jean, Jacqueline und Bernhard, war man bereits vor einigen Jahren zusammen in Frankreich. Damals allerdings war Jean noch kein trockengelegter Alkoholiker, und Bernhard erschien noch mit seiner Ex-Frau Veronika, die er inzwischen gegen ein deutlich jüngeres und durchtrainierteres Modell eingetauscht hat. Chrissy, Fitness-Influencerin und frischgebackene Mutter des gemeinsamen Babys, sorgt erwartungsgemäß für ordentlich Zündstoff unter den schnell ins Gemütliche abdriftenden Urlaubern.
Man muss es Max Küng lassen: Mit staubtrockenem Witz erzählen, das kann er wirklich. Mit feiner Ironie beobachtet er seine Figuren. Besonders die Männer seziert er in ihrer Midlife-Crisis erbarmungslos. Erschreckend vieles kommt einem beim Lesen bekannt vor. Keiner und keine ist wirklich sympathisch gezeichnet, alle haben ihre Macken, unverzeihlichen Schwächen und tiefen Versehrtheiten. In der langen Weile der Toskana offenbart sich alles. Geschickt dreht Küng die Temperatur im Dampfkochtopf Ferienhaus immer höher, bis es zur Implosion kommt. Eine wunderbar schwungvoll-heitere Ferienlektüre, ganz egal, welche Art von Urlaub einem selbst in diesem Sommer bevorsteht.ULRIKE FRICK
Max Küng:
„Supertoskana“, Verlag Kein & Aber, 491 Seiten; 27 Euro.