DIGITALE PLATTFORM

„Das Tinder der Kultur“

von Redaktion

Der „Kulturatlas Bayern“ vernetzt ab sofort die Kunstschaffenden im Freistaat

Herzog Franz von Bayern engagiert sich in der Stiftung Kulturzukunft Bayern. © Foto: Martin Hangen

Kein Satz benennt Chancen und Auftrag des „Kulturatlas Bayern“ so treffend wie jener, den Rebecca Zimmermann kurz vor Schluss der Pressekonferenz sagt: „Wir haben das Regal gebaut und die ein oder andere Schublade. Aber was reinkommt, hängt von den Kulturakteuren ab.“ Mit „wir“ meint Zimmermann die Stiftung Kulturzukunft Bayern, deren Geschäftsführerin sie ist. Und das „Regal“, das dort in den vergangenen drei Jahren entwickelt wurde, steht nun im Internet: Der „Kulturatlas Bayern“ ist online.

Die Idee der digitalen Plattform ist bestechend. Hier können sich alle Menschen vernetzen, die das Kulturleben im Freistaat gestalten – unabhängig von Strukturen, Genres, Professionalisierungsgrad. Egal ob Tänzer oder Autorin, ob Laienspielgruppe oder Kinderchor, ob Bildhauerin oder Maler, ob Verein, Institution, Initiative oder Selbstständige, ob haupt- oder ehrenamtlich. Im „Kulturatlas Bayern“ tauschen Kulturschaffende ihr Wissen aus, finden Fördertöpfe oder Auftrittsorte, stoßen Kooperationen an.

Es ist ein so ehrgeiziges wie umfassendes Projekt. Kultur dürfe nicht auf einzelne Zentren oder Ausdrucksformen reduziert werden, sagt Herzog Franz von Bayern. „Kultur gehört uns allen, und deshalb trägt auch jeder und jede Verantwortung dafür.“ Das Oberhaupt der Wittelsbacher sitzt im Stiftungsvorstand und betont, dass Kultur „nicht nur schmückendes Beiwerk“ sei: „Kultur steht für die Frage, wie wir miteinander umgehen.“ Für Vorstandsmitglied Max Wagner ist klar: „Kultur benötigt Unterstützung. Aus der Bürgerschaft, aber auch von innen.“ Mehr als 1000 Akteure haben sich seit Mai registriert – die Verantwortlichen testeten die Plattform in einer geschlossenen Pilotphase. „Dass der Kulturatlas von Beginn an gemeinsam mit Kulturakteurinnen und Kulturakteuren sowie Institutionen entwickelt wurde, war für uns ein zentrales Kriterium“, betont Stiftungsvorsitzender Markus Michalke. „Hier entsteht Infrastruktur aus realen Bedarfen heraus.“ Aus der Praxis für die Praxis. Jetzt steht das „Netzwerk der Netzwerke“ (Zimmermann) allen Kulturschaffenden kostenlos zur Verfügung; man hofft auf (mindestens) 1000 weitere Anmeldungen bis zur Sommerpause.

Zu Recht ist die Begeisterung also groß bei der Stiftung, aber auch bei den Kulturbotschafterinnen und Kulturbotschaftern, die seit vielen Monaten die Idee im Freistaat – gerade in der Fläche – bekannt machen. Auch in diesem Punkt zeigt sich übrigens, was Anna Kleeblatt, die stellvertretende Vorsitzende, meint, wenn sie vom „partizipativen Prinzip“ des Projekts spricht, das dadurch wachsen wird. „Das Tinder der Kultur“, nennt Geschäftsführerin Zimmermann ihre Plattform im Scherz liebevoll. Stimmt. Nur ohne die Flops.MICHAEL SCHLEICHER

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