Eine Riesenladung Rock

von Redaktion

Die Foo Fighters spielen drei Stunden in der Allianz Arena und begeistern ihre Fans

Beste Stimmung bei den Fans. Es wurde laut.

Vorm Konzert gings‘s für Dave Grohl ins Hofbräuhaus.

Roter Rauch für die Rocker: die Allianz Arena.

Alte Songs, neue Songs und ein paar seltsame Songs: die Foo Fighters um Dave Grohl am Mittwochabend in München. © Martin Hangen (3), Hofbräuhaus/Instagram

Es ist immer dieser eine verdammte Knopf. Dave Grohl schaut sich zu seinem Roadie um. „Hast du eine Gitarre für mich, die funktioniert?“ Der Angesprochene spurtet auf die Minibühne. Fasst dem Frontmann der Foo Fighters an die Hüfte. Und drückt dabei den kleinen Knopf, der Grohls Gitarre vom Spielen abhält. Der lacht. „Wir sind immer noch eine Garagenband. Wir kennen uns nicht mit Technik aus und machen rohen Rock.“

Von größeren Malheurs, so viel sei verraten, bleiben Band und Fans in der fast ausverkauften Allianz Arena verschont. Allerdings hat Dave Grohl recht: Die Foo Fighters haben eine Riesenladung Rock im Repertoire. Eine Stunde Konzert? „Das ist nicht genug! Wir geben euch drei Stunden Rock ’n’ Roll, Motherfuckers!“, verspricht der 57-Jährige zu Beginn der Show, die langen schwarzen Haare und das gleichfarbige Shirt schon nach dem Opener „All My Life“ durchnässt. Kein Wunder: Die Band aus Seattle stürzt sich brachial mit roten Rauchschwaden und ohne Aufwärmen in den Abend – dafür waren im Vorprogramm Otoboke Beaver und Inhaler zuständig.

„Wisst ihr, warum wir Lied für Lied für Lied spielen? Wir sind seit 30 Jahren eine Band und haben 180 Songs.“ Der ambitionierte Plan für München: alte Songs spielen. Neue Songs. Seltsame Songs. Die Setlist der „Take Cover“-Tour haben die Foo Fighters für das erste von zwei Deutschland-Konzerten umgekrempelt. Sie mischen dabei Lieder wie „Stacked Actors“ unter Klassiker wie „The Pretender“ oder „Learn to Fly“.

Schont Dave Grohl anfangs noch seine Stimme, hat er sich bis zum Ende des ersten Akts mit „No Son of Mine“ inklusive kleiner Hommage an Motörhead mit einem Ausschnitt von „Ace of Spades“ warmgebrüllt. Und während er um Applaus für Lemmy Kilmister bittet, geht es zum Verschnaufen in den Akustik-Teil der Show und auf die kleine Bühne.

Der mit dem Song beginnt, den laut Grohl nur die Fans in Deutschland mitsingen können: „Wheels“. Rund 70.000 Fans in der Arena singen nicht nur. Sie zücken auch die Handytaschenlampen. Das ist ziemlich atmosphärisch für dieses an sich eher sterile Fußballstadion. Und klingt auch noch exzellent. Die Ton-Crew macht ihren Job gut: Gitarren, Bass, Drums und Keyboard sind spätestens ab dem dritten Song („Times Like These“) gut ausgesteuert.

Soli zur Vorstellung der Band gibt es keine, erklärt der Sänger. Dass die Foo Fighters nicht nur aus ihrem Gründer bestehen, beweisen die sechs Herren erfrischend anders: mit Liedern der Bands, in denen sie vorher aktiv waren. Für Leadgitarrist Chris Shiflett wird ein Song von No Use For A Name angespielt. Nate Mendel am Bass ist mit Sunny Day Real Estate vertreten, Keyboarder Rami Jaffee mit einem Lied von The Wallflowers. Der „einzige echte Punkrocker“, Gitarrist Pat Smear, singt einen Song der Punkrock-Legenden Germs. Und der neue Drummer, Ilan Rubin, Nachfolger von Josh Freese und dem verstorbenen Taylor Hawkins, tauscht zum Lied von Nine Inch Nails mit Dave Grohl Plätze: Während der sich ans Schlagzeug setzt, greift sich Rubin die Gitarre.

Als Dave Grohl wenig später den klaren Nachthimmel über München betrachtet, stellt er fest: „Jetzt haben wir einen schönen Himmel.“ Und widmet „Aurora“ seinem Freund Hawkins. Dieser Abend hat alles, was eine große Rockshow braucht. Aber hat Dave Grohl auch Wort gehalten? Tatsächlich beenden die Foo Fighters das Konzert in der Allianz Arena nach drei Stunden mit „Everlong“. Und mit großartigem, rohem Rock.KATHRIN BRACK

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