Große Liebe

von Redaktion

Zubin Mehta bei seinem zweiten Geburtstagskonzert

Ließ sich bejubeln: der 90-jährige Zubin Mehta. © Hase/mphil

Wer, wie Zubin Mehta, weltweit vom Publikum ebenso geliebt wird wie von den Orchestern, der muss seinen 90. Geburtstag öfter feiern. Allein in München dreimal: Nach dem Auftakt mit dem Staatsorchester gastierte er am Donnerstag bei den Münchner Philharmonikern, und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks folgt in der nächsten Woche.

Gebrechlich wirkte er und schwach, als er im Rollstuhl hereingefahren und ans Pult gesetzt wurde. Doch das Publikum in der nahezu ausverkauften Isarphilharmonie freute sich ebenso wie die Münchner Philharmoniker, die es ihrem Ehrendirigenten leicht machten. Mit Alexandra Gruber stand als Solistin in Mozarts Klarinettenkonzert eine formidable, von Mehta hoch geschätzte Musikerin auf dem Podium, die dem Maestro immer wieder zulächelte und professionell Augenkontakt zum Konzertmeister hielt. Ihr Tempo war auch das des Dirigenten, der weniger Impulse gab, als dass er zuhörte und ihr Spiel wohl ebenso genoss wie das Publikum. Mit in der Höhe rundem, in der Tiefe sattem Ton gestaltete sie ihren Part, dynamisch sensibel abschattiert, mit raschen Läufen und zwitschernden Trillern und phrasierte das weltentrückte Adagio auf langem Atem – wunderbar.

Statt der angekündigten Neunten von Bruckner wählte Zubin Mehta Tschaikowskys Fünfte. Seine Mini-Gesten wurden hier zuweilen dezidierter, so „animierte“ er die Streicher zu herrlich weichen Legati. Schöne Übergänge gelangen und das Orchester schmetterte die schicksalhaften Fortissimi-Ballungen kraftvoll heraus. Danach: Standing Ovations und ein Lächeln zum Abschied…GABRIELE LUSTER

Artikel 3 von 11