„Porträt“ von Anna von Schubert © Museum Werdenfels (3)
„Fest der Mitte I“ von Gusti Knight-Stinnes.
Das Modell gibt Pfötchen: Hermine Biedermann-Arendts malte humoristische Tierbilder – hier einen Dackel.
Blättert man in ihren Tagebüchern, wird klar, dass Anna von Schubert und ihr Mann nach ihrer Rückkehr nach Deutschland in Hotels residierten. „Anfang der 1950er-Jahre kam sie nach Garmisch-Partenkirchen“, sagt Dr. Constanze Werner, Leiterin des Museums Werdenfels. Meldedaten fand sie nicht, sie geht davon aus, dass die Künstlerin in Schloss Elmau lebte. Ihre Bilder, zu der Zeit hatte sie längst zu ihrem abstrakten Stil gefunden, malte sie dort auf Zeitungspapier. „Nur auf englischem“, betont Werner und schmunzelt. Sicher mit ein Grund, warum ihr Werk bei einer Gruppenausstellung 1962 im Lenbachhaus als Entdeckung gefeiert worden war.
Dann geriet von Schubert (1884-1964) in Vergessenheit. Wie die beiden anderen Künstlerinnen, die ebenfalls in Garmisch-Partenkirchen wirkten. Drei Generationen, drei Schicksale und drei Belege dafür, wie sehr die Männer den Kunstbetrieb dominierten. Ein einheimischer Maler brachte Werner auf von Schubert, er gab ihr deren Biografie und schenkte ihr Zeichnungen fürs Museum. Ein Nachbar wies sie dann auf Gusti Knight-Stinnes (1912-1978) hin, auch sie zeigte ihre Bilder im Lenbachhaus und später im Haus der Kunst in München. Auch sie erntete für ihre surrealistische Malerei viel Beifall. Mit Hermine Biedermann-Arendts (1855-1916), die um 1900 eine Malschule für Frauen in Partenkirchen eröffnet hatte, war die dritte Persönlichkeit für eine spannende Ausstellung gefunden. Unter dem Titel „Vergessene Künstlerinnen“ präsentiert Werner diese unterschiedlichen Malerinnen bis 14. Februar im Museum an der Ludwigstraße in Garmisch-Partenkirchen. Jede der drei „entwickelte eine eigene Strategie, um sich aus dem von Männern dominierten Kunstbetrieb rauszuhalten“. Jede schuf ein beeindruckendes Werk.
Als Erste von ihnen besetzte Biedermann-Arendts eine spezielle Nische. „Mit ihren technisch hervorragenden, oft humoristischen Tierbildern im Stil der Münchner Schule nahm sie regelmäßig erfolgreich an Ausstellungen in Berlin, London, Nürnberg oder München teil.“ Damit konnte sie sich gut auf dem Kunstmarkt behaupten und vor allem von ihren männlichen Kollegen abgrenzen. Kaiserin Elisabeth von Österreich, Prinzregent Luitpold oder Prinz Leopold von Bayern zählten zu ihren Käufern.
Von Schubert, die ursprünglich aus dem Baltikum kam, lebte in St. Petersburg, Estland, Südafrika, Japan und fast 20 Jahre in Shanghai. Dieses Reise- und Wanderleben, das daraus resultierende schnelle Wahrnehmen, Zeichnen und Malen fremder Kulturen und zuletzt das Eintauchen in die asiatische Kunst führten seit Ende der Zwanzigerjahre zu einer eigenständigen Handschrift. „Da wurde sie immer abstrakter“, betont die Museumsleiterin. Und nach ihrem Tod vergessen.
Wie Knight-Stinnes, die als 16-Jährige im Atelier von Kurt Schmid Ehmen in München Bildhauerei studierte und 1930, da war sie gerade einmal 18 Jahre alt, ihre erste Ausstellung im Folkwang Museum in Essen realisierte. Nach ihrer Hochzeit lebte sie zunächst in Großbritannien – und wandte sich der Malerei zu. Im früheren Jagdhaus der Familie in Garmisch-Partenkirchen fanden sie und ihr Mann ab 1952 ein neues Zuhause. Zurückgezogen, in der Stille der Bergwelt, schuf sie ein beeindruckend eigenständiges, von surrealistischer Malerei beeinflusstes Werk. Masken, Menschenmassen, Hände und Handschuhe, verfremdete Stillleben und die Verbindung zwischen Körper und Natur sind wiederkehrende Themen. Ihre Gemälde erinnern an Traumsequenzen.TANJA BRINKMANN
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unter museum-werdenfels.de.