„Eine ikonische Rolle“

von Redaktion

„Walküre“ bei den Opernfestspielen: Miina-Liisa Värelä singt Brünnhilde

Der Ritt der Walküren: Regisseur Tobias Kratzer inszeniert „Walküre“ u.a. mit Videoprojektionen. © Foto: G. Schied

Miina-Liisa Värelä singt am kommenden Donnerstag die Brünnhilde bei der Eröffnung der Münchner Opernfestspiele. © Foto: Privat

Am Anfang steht bei Brünnhilde kein langsames Hineinfinden, sondern ein Ruf: „Hojotoho!“, hoch, sofort, ohne Anlauf. Miina-Liisa Värelä singt die Walküre zur Eröffnung der Münchner Opernfestspiele (25. Juni) an der Bayerischen Staatsoper – in Tobias Kratzers neuem Münchner „Ring“ und an jenem Haus, an dem das Werk 1870 uraufgeführt wurde. Ein Gespräch über große nordische Stimmen, ein Fach, in das man hineingeboren wird, und Momente, in denen einem auf der Bühne die Tränen kommen.

Sie kommen aus Finnland. Wenn man auf die großen Wagner-Stimmen schaut, landet man oft im Norden. Warum singen ausgerechnet Sängerinnen aus Skandinavien Wagner so gut?

Ich weiß es nicht genau. Vielleicht hat es damit zu tun, wie wir gebaut sind, mit nordischem Erbe. Aber im Ernst: Es hat natürlich mit der Struktur der Stimme zu tun. Für Wagner braucht man die Stimme. Und wir haben viele wirklich große Stimmen, die für dieses Repertoire geeignet sind. Dazu kommt sicher auch die Ausbildung.

Ist diese große dramatische Stimme für Wagner etwas, was man einfach naturgegeben hat?

Die Stimme ist, was sie ist. Natürlich entwickelt sie sich über die Jahre, durch Technik, durch Erfahrung, durch das Singen selbst. Aber wenn man eine dramatische Stimme hat, dann hat man eine dramatische Stimme. Eine Soubrette wird nicht plötzlich ein dramatischer Sopran. Das Fach ist in gewisser Weise etwas, womit man geboren wird. Es kann reifen, ja. Aber der Kern ist da.

Was ist an Brünnhilde in der „Walküre“ besonders schwierig?

Sie beginnt mit „Hojotoho!“ – hoch, sofort, ohne Aufwärmphase auf der Bühne. Man kommt herein und muss gleich liefern. Danach wird es plötzlich sehr tief, besonders in der Todesverkündigung. Später geht es wieder etwas höher, aber insgesamt ist die Partie gar nicht so hoch wie etwa die Brünnhilde in „Siegfried“. Die Schwierigkeit ist also: erst dieser hohe Beginn, dann muss man fast wie ein Mezzosopran singen.

Sie singen in München alle drei Brünnhilden. Welche ist die schwerste?

Sicher die „Götterdämmerung“. Sie ist die längste, und es ist alles darin: „Walküre“, „Siegfried“ und noch etwas mehr. Das ist die größte Herausforderung. Und das werde ich hier nächstes Jahr zum ersten Mal singen.

Verändert es den Blick auf die Rolle, wenn man nicht nur eine Brünnhilde singt, sondern den ganzen Ring?

Ich habe den ganzen Zyklus ja noch nicht gemacht. Aber ich glaube, das ist auch Tobias Kratzers Idee: dass alle Teile wirklich miteinander verbunden sind. Man sieht dieselben Figuren durch verschiedene Opern gehen und wachsen. Für Brünnhilde ist das eine viel größere Reise als nur die Entwicklung innerhalb eines Abends. Was in der „Walküre“ geschieht, trägt sie nach „Siegfried“ weiter, und von dort in die „Götterdämmerung“.

In München wurde Kratzers „Rheingold“ sehr gut aufgenommen. Erhöht das den Druck für die „Walküre“?

Ich weiß, dass die Leute jetzt sehr gespannt sind. Wir hoffen, dass dieses Gefühl weitergeht, dass die Menschen es mögen. Ich glaube, es wird wieder ein besonderer Abend.

München ist ein Wagner-Ort. Die „Walküre“ wurde hier uraufgeführt. Spürt man das?

Ja. Erst gestern bin ich im Gang an Fotos vorbeigegangen. Da hängt auch ein Bild von Birgit Nilsson. Da dachte ich: Ah, ja, schön, du bist jetzt auch hier. Ich will nicht leugnen, dass es Druck gibt. München ist München, dieses Haus ist besonders, und Brünnhilde ist eine ikonische Rolle. Aber zu viel darüber nachzudenken, hilft nicht. Ich versuche, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Mehr kann ich nicht tun.

Gibt es einen Moment in der „Walküre“, auf den Sie sich besonders freuen?

Ich liebe die Todesverkündigung. Die Musik ist wunderschön, und zugleich ist das der Moment, in dem etwas mit Brünnhilde passiert. Danach kann sie ihre Entscheidung nicht mehr zurücknehmen. Sie wählt ihren Weg und geht ihn. Und natürlich freue ich mich auf das Duett mit Wotan im dritten Akt. Diese Musik ist unglaublich.

Als Zuhörer fragt man sich bei dieser Musik manchmal: Wie kann man da singen und gleichzeitig nicht überwältigt werden?

Es ist immer eine Balance zwischen dem, was man fühlt, und dem, was man singen muss. Aber Wagner schreibt das so großartig, dass man die Emotionen hineingeben kann, ohne die Kontrolle zu verlieren. Wenn ich mit meinem Gesang fertig bin und Wotan seinen Abschied beginnt, ist das ein magischer Moment.

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