Zu seinem 80. Geburtstag am heutigen Dienstag blickt der Schriftsteller Rafik Schami mit Skepsis auf die Entwicklung in Syrien. Die Hoffnungen vieler nach dem Sturz des Assad-Regimes hätten sich nicht erfüllt, sagte der in Damaskus geborene Autor. Auf die Frage, ob ihm die Veränderungen Hoffnung auf eine Rückkehr gäben, antwortet er: „Leider nein.“ Wäre er jünger, hätte er es gewagt. „Aber ich bin 80 und habe kein Vertrauen, dass ich unbeschadet zurückkomme. Da ich den Mund nicht halten kann – sonst wäre ich nicht über 50 Jahre im Exil.“ Schami kam 1971 nach Deutschland.
Enttäuscht zeigt er sich von Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa. Seine anfängliche Hoffnung sei nahezu verschwunden. Dass al-Scharaa Frauen nicht die Hand gebe, gleichzeitig aber Politikern wie Wladimir Putin oder Donald Trump, kritisiert er scharf. „Das hat mit dem Islam nichts zu tun, sondern mit Opportunismus.“
Schami wurde am 23. Juni 1946 geboren und promovierte nach seiner Ankunft in Deutschland zunächst in Heidelberg in Chemie. Um sein Deutsch zu verbessern, schrieb er Thomas Manns Monumentalwerk „Buddenbrooks“ mit der Hand ab, danach Heinrich Heine, Kurt Tucholsky und Anna Seghers. Rafik Schami ist ein Pseudonym und bedeutet „Damaszener Freund“. Sein wirklicher Name lautet Suheil Fadél.
Schami gilt als wichtiger Erzähler deutscher Sprache – „Die Zeit“ nannte ihn einmal den „letzten Wanderliteraten“. Seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt.DPA