Glut, Glas und Geschichte

von Redaktion

Florian Illies entfacht „Träume aus Feuer“ und liest aus seinem neuen Buch in München

Florian Illies liebt es, sich und seine Leser in vergangene Zeiten zu imaginieren. Seite für Seite, Szene für Szene kreiert er wortreich und sinnlich die Illusion, dabei gewesen zu sein. Illies erzählt im Präsens, wie es gewesen sein könnte. Und wir glauben dem Kunsthistoriker, Schriftsteller, Journalisten und Mitherausgeber der „Zeit“ gerne, weil sich Geschichte so vergnüglich liest. Mit dieser Sachbuch und Fiction verschmelzenden Technik schrieb er auch Erfolge wie seine Caspar-David-Friedrich-Studie „Zauber der Stille“ (2023).

In seinem neuen Buch „Träume aus Feuer“ nimmt er uns mit in die Barockzeit, auf die geheimnisvolle Pfaueninsel bei Potsdam und in das wechselvolle Leben des Chemikers und Glaskünstlers Johannes Kunckel. Dieser führte als Protegé des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm und dessen Frau Dorothea die Glasherstellung in Brandenburg zu Höhepunkten. Statt Gold, wie von einem Alchemisten damals erwartet, zauberte Kunckel ein anderes begehrtes Luxusgut: Glas. Klares Kristallglas, rot leuchtendes Rubinglas und Glasperlen als Zahlungsmittel für die Geschäfte des Kurfürsten in Übersee. Dafür wurde er reich belohnt, unter anderem mit der Pfaueninsel samt eigener Manufaktur.

Natürlich weiß Florian Illies bei aller Recherche nicht wirklich, was Kunckel nach einem Tag am intriganten Hof abends seiner Frau erzählte. Wie er seine erste Nacht in einem Lederzelt auf der Pfaueninsel erlebte. Wie es sich anfühlte, Stunde um Stunde in der Gluthitze der Glasöfen zu experimentieren. Aber in seiner Fantasie weiß er es. Und so erleben wir Johannes Kunckels Aufstieg und auch seinen Untergang als fürstlicher Glasmagier und freuen uns, beim nächsten Berlin-Besuch im Stadtmuseum wissend die Objekte zu bestaunen, die er geschaffen hat. S. LEHMBERG

Florian Illies:

„Träume aus Feuer. Der Alchemist von der Pfaueninsel“, Pfaueninsel Verlag, 120 Seiten, 20 Euro. Illies liest am Mittwoch um 19 Uhr im Münchner Literaturhaus. Für die ausverkaufte Veranstaltung sind noch Streamingtickets (8 Euro) über reservix.de verfügbar.

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