Über allem wacht der „Terminator“: Arnold Schwarzenegger 2009 im Büro, im Maul eines Krokodils und malend mit Zigarre. © Peter Grigsby, Unbekannter Fotograf (2)
„Der is guat beinand!“ Arnold Schwarzenegger 1967 auf der Alm und in München (re.), wo er Damen in Entzücken versetzt. © Albert Busek, Rolf Hayo/REX USA
Ein Bizeps wie eine Kanonenkugel – da langt die Dame am Münchner Obststandl gleich mal hin. Und die Schaulustigen amüsieren sich prächtig. Arnold Schwarzenegger ist im Laufe seines Lebens von den berühmtesten Fotografen in Szene gesetzt worden – Annie Leibovitz, Robert Mapplethorpe, Herb Ritts, Andy Warhol. Man findet die Bilder in diesem Buch. Doch eines der großartigsten ist dieses, das ihn als Jüngling zeigt. Schwarzenegger trug 1967 schon den Titel „Bestgebauter Athlet Europas“, war aber noch Fitnesstrainer an der Schillerstraße. Er schreibt: „Damals trieb ich mich mit Nachtschwärmern herum – Unterhaltungskünstlern, Nutten und Barbesitzern – und hatte eine Freundin, die Stripperin war. Ich war ein unschuldiger Junge aus einem Nest auf dem Lande, aber in München wurde ich schnell erwachsen.“
Auf seinem Weg zum Weltruhm war das nur eine Zwischenstation – und was für ein Weg das war! Man kann ihn hier anhand von vielen spektakulären Fotos bestaunen. Vom schmalbrüstigen Buben aus dem Dorf Thal bei Graz über den geölten Bodybuilder und Filmstar der Achtziger bis zum einflussreichen Politiker. Ein gewichtiges Leben – und darum könnte man mit diesem Wälzer auch jemanden erschlagen: Fast fünf Kilo bringt „Arnold“ auf die Waage, das ebenso gewichtige Werk über den berühmtesten Muskelmann nach Herkules. „Athlete. Actor. American. Activist“, prangt in Goldlettern wie auf einem antiken Denkmal auf dem Buchrücken.
Schon beeindruckend. Weil’s ja stimmt. Schwarzeneggers Leben ist die Erfolgsstory eines US-Einwanderers par excellence, heute ist er eine der wichtigsten Stimmen des liberalen Amerika. Nach dem ersten Filmchen, das er in den Siebzigern drehte, bekam er zu hören: „Du wirst nie ein Star. Einer mit österreichischem Akzent hat noch nie eine Hauptrolle gespielt.“ Doch dann wurde er als „Conan, der Barbar“ verpflichtet. Zwei Jahre später bemerkte Regisseur James Cameron: „Arnolds Akzent sorgte dafür, dass ,Terminator‘ glaubwürdiger wurde.“ Schwarzeneggers Fazit: „Deshalb höre ich nie hin, wenn mir Leute erzählen, dies und das sei unmöglich.“
Später wurde er mit dieser Einstellung kalifornischer „Gourvernator“ und Umweltaktivist. Eigentlich möge er Politik nicht, schreibt er. „Mich reizte einzig die Vorstellung, dem Staat zu dienen.“ Bei diesen pathetischen Passagen denkt man sich: Er ist wirklich Amerikaner geworden. „Und welcher Job ist besser als der des Präsidenten der Vereinigten Staaten?“ Das geht nun wirklich nicht, denn das Amt dürfen nur in den USA Geborene bekleiden. Wobei: Nachdem man dieses Geht-nicht-gibt’s-nicht-Leben durchgeblättert hat, würde man da nicht drauf wetten.JOHANNES LÖHR
Dian Hanson (Hrsg.):
„Arnold“; Taschen-Verlag, 527 Seiten; 125 Euro.