Füße ins Wasser und entspannen: Unsere Krimitipps aus dem hohen Norden jagen Ihnen kalte Schauer über den Rücken. © Oliver Bodmer
Sommerzeit ist Lesezeit – ob im Freibad, am See, auf dem Balkon oder unter dem Apfelbaum im Garten. Wer an besonders heißen Tagen nach literarischer Abkühlung sucht, reist am besten gedanklich in den hohen Norden. Denn während draußen die Sonne flimmert, führen Scandic-Noir-Krimis in eine Welt aus Frost, Finsternis und Verbrechen. Wir blicken auf die neuesten Bestseller aus Norwegen, Schweden und Island und versprechen: Bei diesen erfrischenden Buchtipps ist Gänsehaut garantiert.
„Hinter dem Nebel“: Ein vermeintlicher Selbstmord führt Kommissar Jörgensson tief in die schwedische Nachkriegsgeschichte. Als ein Schriftsteller erhängt aufgefunden wird, stößt er bei seinen Ermittlungen auf Geheimdienstintrigen und lange verdrängte Wahrheiten. Christoffer Carlsson verbindet in diesem atmosphärisch dichten Krimi historische Recherche mit packender Spannung. Der promovierte Kriminologe zählt zu den gefeierten Autoren Schwedens und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. „Hinter dem Nebel“. Rowohlt, 464 S., 25 Euro.
„Schmerz“: Ein verschwundener Teenager im isländischen Thingvellir-Nationalpark, zwei Ermittler am Rand des Systems und jede Menge dunkle Geheimnisse: In „Schmerz“, dem ersten Band der neuen Krimireihe um das isländische Ermittlerduo Dora und Rado, wird die Suche nach einem Jungen schnell zu einem gefährlichen Wettlauf gegen die Zeit. Während Dora mit den Folgen einer Hirnverletzung kämpft und Rado von seiner Vergangenheit eingeholt wird, stoßen beide auf Abgründe, die weit über einen Vermisstenfall hinausreichen. Atmosphärischer Nordic Noir mit starken Figuren, überraschenden Wendungen und einer beeindruckenden Naturkulisse. Jón Atli Jónasson ist ein vielfach ausgezeichneter Bühnen- und Drehbuchautor, der in Reykjavík lebt. „Schmerz“, Fischer Scherz, 352 S., 18 Euro.
„Dunkelmann“: Als ein Mitglied einer chinesischen Delegation unter falscher Identität nach Dänemark einreisen will, geraten die Agentin Maja Birk und Analyst Daniel Hartmann in ein Netz aus Spionage, geopolitischen Interessen und persönlichen Verstrickungen. Besonders reizvoll ist in „Dunkelmann“ der Blick hinter die Kulissen der Geheimdienstarbeit. Kein Wunder, denn Autor Lars Findsen war selbst jahrelang Chef des dänischen Nachrichtendienstes. Der erste Fall für Maja Birk und Daniel Hartmann ist ein Insider-Thriller, der in Grönland und Dänemark spielt. „Dunkelmann“ von Findsen und Jacob Weinreich, Fischer, 480 S., 18 Euro.
„Schlafende Vulkane“: Michael Hjorth und Bjarni Thorsson legen mit dem ersten Fall für Helga Jónsdóttir einen packenden Auftakt ihrer neuen Island-Thriller-Reihe vor. Eine junge Frau wurde ermordet, ihr zehnjähriger Sohn ist spurlos verschwunden. Für die Ermittlerin Jónsdóttir geht es um jede Stunde, denn sie vermutet, dass sich der Junge vor seinem gewalttätigen Vater in den abgelegenen Höhlen der isländischen Vulkanlandschaft versteckt hält. Als weitere Frauen ermordet werden, zeichnet sich das Bild eines Täters ab, der seine Verbrechen minutiös plant. Die Jagd nach ihm führt durch eiskalte Gletscherflüsse und nebliges Hochland. Feinster Nordic Noir, bei dem die Natur ebenso gnadenlos ist wie der Mörder. Im November erscheint bereits der nächste Band dieser vielversprechenden Reihe. „Schlafende Vulkane“. Rowohlt, 480 S., 24 Euro.
„Doppelspiel“: Der Krimiautor Tom Borg kämpft mit einer Schreibblockade. Auf der Suche nach Inspiration landet er in einem zwielichtigen Stockholmer Club und wird Zeuge eines Mordes, der ihn auf unheimliche Weise an den von ihm bereits begonnenen Roman erinnert. Schon bald wird Borg in ein tödliches Spiel verwickelt. „Doppelspiel“ ist der Auftakt einer neuen dreiteiligen Reihe von Krimigroßmeister Arne Dahl und Jonas Moström. Lübbe, 432 S., 18 Euro.
„Tod unter Nordlichtern“: Jokkmokk am Polarkreis: ein abgelegener Ort im hohen Norden, wo tief verschneite Wälder und zugefrorene Seen die Landschaft prägen. Trotz Temperaturen von bis zu minus 25 Grad fiebern die Bewohner dem traditionellen samischen Wintermarkt entgegen. Doch die Vorfreude wird jäh zerstört, als ein junger Mann brutal ermordet wird – geschlachtet wie ein Rentier. Wer hat den 19-jährigen Lucas getötet? Hauptkommissarin Linda Lundin ermittelt und bringt immer mehr dunkle Geheimnisse ans Licht. Hiltrud Baier: „Tod unter Nordlichtern“. Kampa, 320 S., 18,90 Euro.
„Kalt wie die Nacht“: Ein Seitensprung, ein Mord und ein Ermittler auf der Suche nach einem neuen Leben: Ex-Kommissar Wolf Larsen zieht nach Telemark und startet als Privatdetektiv durch. Doch sein erster Auftrag endet tödlich und führt ihn gemeinsam mit der rätselhaften Journalistin Sanna in einen Fall voller Geheimnisse. Atmosphärischer Norwegen-Krimi mit viel Lokalkolorit. Der Münchner Bernhard Stäber lebt seit vielen Jahren in Südnorwegen und knüpft mit seiner neuen Reihe an den Erfolg seiner Arne-Eriksen-Thriller an. „Kalt wie die Nacht“. Lübbe, 400 S., 12 Euro.ASTRID KISTNER