Tanzstunden mit Trugschluss

von Redaktion

Barbara Hannigan dirigierte und sang mit den Münchner Philharmonikern in der Isarphilharmonie

Traditionelles Dirigieren ist mit ihr nicht zu haben: Barbara Hannigan am Pult der Philharmoniker. © Tobias Hase

Barbara Hannigan ist immer für eine Überraschung gut. Bei hochsommerlichen Temperaturen „jagte“ sie die Münchner Philharmoniker in der Isarphilharmonie durch ein höchst abwechslungsreiches, ungewöhnliches Programm: So ging es von Aaron Copland über Joseph Haydn zu Jacques Offenbach und Weill. Dabei agierte die kanadische Musikerin nicht nur als Dirigentin, sondern auch als Sängerin, die sie ursprünglich war.

Noch etwas verblüffte: Für nur wenige Takte von Offenbach lud sie sich Okka von der Damerau ein, die mit ihrem Mezzo-Orgelton die sattsam bekannte „Barcarole“ aus der Oper „Hoffmanns Erzählungen“ anstimmte, in die Hannigan mit leichtem Sopran bestritt.

Eingefügt hatte die Dirigentin den Hit in das in den 1930er-Jahren entstandene Ballett „Gaîté parisienne“, ein Verschnitt aus Offenbachs Melodienschatz. Kein tägliches Brot für die Philharmoniker, doch sie musizierten mit Verve und hatten Spaß, das Publikum ebenso – dies natürlich beim Cancan, aber auch bei Walzer oder Marsch.

Hannigan kostete Farben und Rhythmen aus wie schon zuvor bei der ganz anders gearteten „Dance Symphony“ von Aaron Copland. Da kam zunächst Melancholie auf. Hannigan lenkte das stark rhythmisierte, oft kleinteilige, mal schrille, mal fast kitschige Geschehen sicher. Sie ließ die Holzbläser – herrlich das Fagott – hervortreten, auch die Bratschen und baute mit großer Geste enorme Steigerungen auf.

Als Gag setzte Barbara Hannigan zwischen diese Klänge Eigentümliches. Sie glänzte, von mitspielenden und -singenden Philharmonikern unterstützt, in Kurt Weills Songs „Youkali“ und „Lost in the Stars“, ebenfalls von Weill. Auch in Haydns Sinfonie Nummer 90 trumpfte das Orchester auf, und Hannigan toppte Haydns „Trugschluss“ im Finale mit ihrem Abgang: Die letzte Wiederholung spielte das Orchester allein.GABRIELE LUSTER

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