Das wird ganz großes Kino

von Redaktion

Vor der Filmfest-Eröffnung: Das Führungsduo Julia Weigl & Christoph Gröner im Interview

Gutes Duo: Julia Weigl und Christoph Gröner. © Ritan

Wird geehrt: „Akte X“-Star David Duchovny. © E. Gerbey

Im Deutschen Theater: Pedro Almodóvar. © I. Más

„Couture“ ist der neue Film von Angelina Jolie. © c. bethuel

Feiern mit ihrem Fernsehfilm „Eine Nacht in Bangkok“ in München Premiere: Matthias Brandt und Désirée Nosbusch (Dienstag, 17.30 Uhr, Gloria Palast). © Stephan Rabold

Sie arbeiten beide seit vielen, vielen Jahren für das Münchner Filmfest, seit 2023 bilden Julia Weigl und Christoph Gröner das Führungsduo. Bevor am Samstagabend in der Isarphilharmonie der Startschuss fällt, sprechen sie im Interview mit unserer Zeitung über die Vorfreude auf das Festival, den Eröffnungsfilm „Vaterland“ und die Stars, die heuer an die Isar kommen.

Herr Gröner, Frau Weigl, mit welchem Gefühl gehen Sie persönlich in dieses Filmfest? Heiß wird es auf jeden Fall. Das hat Tradition.

Christoph Gröner: Ja, das stimmt. Als wir beide vor drei Jahren anfingen, war die Hitze ähnlich, und wir haben das „Design“ des Festivals damals sehr schnell abgestellt auf Drinnen und Draußen, Isar und Kino sozusagen. So wird es auch in diesem Jahr sein: weit über 30 Grad, kleine Ventilatoren überall, eine hitzige oder besser warmherzige Atmosphäre. Insofern freuen wir uns jetzt sehr auf die Tage, die vor uns liegen.

Der Eröffnungsfilm ist „Vaterland“. Warum haben Sie sich für den entschieden?

Julia Weigl: Wir hatten schon sehr früh ein Bauchgefühl, dass dieser Film gut passen könnte. Paweł Pawlikowski ist als polnischer Filmemacher ein großer Name in der Autorenfilmerschaft. Der Film bietet zudem eine europäische Perspektive auf Deutschland. Und dann ist da natürlich der Cast mit Hanns Zischler als Thomas Mann, Sandra Hüller als Erika Mann und August Diehl als der junge Klaus Mann. Genau dafür wollen wir als Filmfest stehen: deutsches Kino mit internationalem Anspruch. Und das verkörpert „Vaterland“ in dieser Mischung.

Gröner: „Vaterland“ ist abgesehen davon ein unglaublich schöner, ein betörend schöner Film. Er ist episch und gleichzeitig kompakt, wie immer bei Paweł Pawlikowski. Er regt nicht nur zum Nachdenken, sondern zum Richtig-darüber-Reden an. Und das ist das, was für uns Kino ausmacht. Kino ist eine soziale Erfahrung. Wir freuen uns sehr auf die Gespräche bei der Eröffnung zu diesem unglaublich reichhaltigen Werk.

Bei aller Vorfreude – mit welchen Herausforderungen haben Sie zu kämpfen? Das Spardiktat schwebt über der gesamten Kulturbranche. Oder hat Markus Söder die einst versprochenen Millionen inzwischen überwiesen?

Gröner: Dazu gibt es eine zweigeteilte Antwort, die uns sehr wichtig ist. Der erste Teil ist, dass wir von unseren Gesellschaftern, der Stadt und dem Land, eine sehr große Unterstützung spüren, um dieses Festival zu erhalten, zu entwickeln, weiterzuentwickeln. Und gleichzeitig wissen wir natürlich, in welcher Zeit wir leben. Und das ist eine Zeit der sich verengenden Kulturbudgets der öffentlichen Hand. Unsere Gesellschafter gehen mit großem Augenmaß vor, wie wir finden, aber trotzdem reden auch wir darüber, wie wir grundsätzlich mit einem gleichbleibenden Sockel – und ein gleichbleibender Sockel bedeutet ja weniger in Zeiten von Inflation – umgehen können.

Und wie?

Weigl: Im Schulterschluss mit unseren Partnern. Wir spannen ein riesiges kulturelles Netz über die ganze Stadt, arbeiten mit Häusern wie dem Deutschen Theater oder den Kammerspielen zusammen, aber auch mit staatlichen Institutionen wie dem Museum Brandhorst und dem Haus der Kunst. Überall dort finden Veranstaltungen statt – Synergien, von denen am Ende vor allem auch das Publikum profitiert.

Es kommen große Stars, allen voran Pedro Almodóvar. Ich will David Duchovny als Ehrenpreisträger nicht kleinreden, aber ist Almodóvar nicht der verdientere Filmemacher?

Gröner: Pedro Almodóvar, und das hat er uns auch mitteilen lassen, geht es um seinen neuen Film „Bitteres Fest“ nicht um die Würdigung seines Lebens.

Weigl: Für uns ist das eine Riesenehre, dass er „nur so“ zu uns kommt, um im Deutschen Theater seinen Film vorzustellen. Er möchte mit dem Publikum in Kontakt treten, die Reaktionen spüren, das Miteinander erleben. Genau dafür möchten wir als Filmfest stehen.

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