Heiß: die Show in der Allianz Arena in München.
Er ist The Weeknd: Sänger Abel Tesfaye.
Spektakuläre Inszenierung: die Tänzerinnen vor der zwölf Meter hohen, goldenen Skulptur. © Fotos: Live Nation
Der erste Abend ist immer der wichtigste, erklärt The Weeknd. „Ihr setzt den Maßstab für die kommenden Deutschland-Shows.“ Sieben Songs hat der Superstar aus Kanada am Donnerstagabend im Schnelldurchlauf und in Präzision präsentiert, da nimmt er langsam und betont feierlich die glänzende schwarze Maske mit den gefährlich rot leuchtenden Augen ab. Darunter kommt nicht nur Abel Tesfaye zum Vorschein, sondern auch ein unfassbar breites Grinsen.
The Weeknd, dieser Superlativ von einem Sänger, sieht so ehrlich begeistert aus, dass man für einen Moment vergisst, dass man ein Konzert der wohl durchgestyltesten Tour der Gegenwart besucht. Es wird nicht bei dem einen Ausbruch aus dem Gesamtkunstwerk The Weeknd bleiben, von dem sich Tesfaye nach Abschluss der mehrjährigen Welttournee und seiner Albumtrilogie verabschieden möchte. Der Kanadier, ganz in Schwarz mit großem Silberkreuz um den Hals, lässt sich Zeit. Winkt ins jubelnde Publikum, wirft Kusshände. „Ihr klingt gut heute Abend“, ruft er. „Und wie schön Ihr alle ausseht!“
München könne er auf einer Welttournee auf keinen Fall auslassen. „Ihr zeigt mir immer so viel Liebe“, schwärmt der Sänger. Er zeigt am ersten von drei ausverkauften Abenden in der Allianz Arena, dass er für „After Hours Til Dawn“, Runde zwei, eine Schippe draufpacken will.
Vor drei Jahren spielte der global meistgestreamte Musiker beim ersten Europateil der Tour – inzwischen die kommerziell erfolgreichste eines männlichen Solokünstlers – im Olympiastadion eine ebenso bombastische wie umjubelte Show. Er bleibt beim Maximum des Möglichen. Das Bühnenbild recycelt der Superstar: Unter der gigantischen Leinwand ragen abermals die Trümmer amerikanischer Städte in die Luft, zwischen denen sich die Band verbirgt. Die kreuzförmige Bühne führt durch die komplette Arena, sodass Tesfaye im Lauf des Abends vielen seiner Fans nahekommen kann.
Im Zentrum der Konstruktion dreht sich auch dieses Mal eine Figur des japanischen Künstlers Hajime Sorayama. Nur ist diese vergoldete Version doppelt so groß wie ihre silberne Vorgängerin: mit über zwölf Metern das größte Kunstwerk, das jemals für eine Tournee in Auftrag gegeben wurde. Auch an weiblicher Begleitung spart The Weeknd nicht: In der Spitze bewegen sich 30 in rotes Tuch gehüllte und golden maskierte Tänzerinnen über die Bühne.
Die der Künstler auch allein ohne Mühe füllt. Man übersieht bei dem ganzen Prunk, bei Lasershow, bunt blinkenden Fan-Handgelenken und Feuerfontänen im ohnehin schon bullenheißen Rund, was für eine Präsenz der 36-Jährige hat. Dass man seine Freude an diesem Abend und an den zehntausenden Besuchern in Großaufnahme auf den Leinwänden sieht, macht den Weg frei für den Menschen hinter der Kunstfigur.
The Weeknd hat aber nicht nur ausgezeichnete Laune. Auch seine Stimme ist in absoluter Bestform. Und während er von „Starboy“ bis „Blinding Lights“ durch seine mit Hits gespickte Setlist und über die Bühne tänzelt, in der Menge badet und einen Fan zu „Out of Time“ ins Mikro singen lässt, genießt er den Jubel sichtlich. Der sich bis „Moth to a Flame“ zu einem donnernden Schlussapplaus steigert. Das Publikum hat am Donnerstagabend in der Allianz Arena stark vorgelegt. Es wird schwer, das zu schlagen, befindet der Superstar. Wobei, wenn jemand noch einen draufsetzen kann, sind es Abel Tesfaye und sein Alter Ego The Weeknd.KATHRIN BRACK