UNSERE KURZKRITIKEN

Haikus im luftleeren Raum

von Redaktion

Haikus erleben gerade online einen Boom, doch passen diese Gedichtchen eigentlich überhaupt nicht zu den schrillen, schnellen Sozialen Netzwerken. Sie verkörpern das Gegenteil: das Leise, Zarte, Nachdenkliche. Das verspricht auch das poetische Cover von „Haiku der Jahreszeiten“: Ein Mann fährt auf einem traditionellen Boot, dem Wasen, unter einer Brücke hindurch, nebendran blühen die Kirschblüten. Schön! Leider ist der Inhalt eher ungenügend. Denn gerade für nicht japanaffine Leser wären weitere Erklärungen, Hinweise und Hintergründe zum Verständnis vor allem von Sprache und Gestaltung der Haikus wichtig gewesen. Die sechsseitige Einführung sowie die jeweils nur einen Absatz langen Infos zu den Autoren sind dürftig. Angerissen werden etwa die unterschiedlichen Bedeutungen der Wörter im jeweiligen Sprachgebrauch, doch später beim Durchlesen der Haikus wird man alleingelassen. So bleibt alles im luftleeren Raum.AMA

Masami Ono-Feller (Hg.):

„Haiku der Jahreszeiten“. Reclam, 128 Seiten; 22 Euro.


★★★☆☆ Annehmbar

Artikel 11 von 11