Hüller im Blitzlichtgewitter

von Redaktion

Großes Kino in der Isarphilharmonie: Münchner Filmfest eröffnet

Schönes Paar: Hannes Jaennicke & Stephanie Krogmann.

In Schwarz: Veronica Ferres bei der Eröffnung.

Der Film des Abends: „Vaterland“ über Thomas Mann (Hanns Zischler) und seine Tochter Erika (Sandra Hüller).

Der Star des Abends: Schauspielerin Sandra Hüller auf dem blauen Teppich. © Simon/Api, Agata Grzybowska/BR, Simon/api (2)

Wenn sich Dominik Krause den perfekten Tag im Leben eines Oberbürgermeisters hätte ausmalen dürfen – er hätte wohl ungefähr so ausgesehen wie der vergangene Samstag: Tagsüber wurden er und sein Partner Sebastian Müller beim Christopher Street Day gefeiert, am Abend gab es dann bei der Eröffnung des Münchner Filmfests in der Isarphilharmonie minutenlang Applaus für den Grünen-Politiker. Der traute, so schien es, seinen Ohren selbst kaum. Sichtlich gerührt über den warmherzigen Empfang bedankte er sich seinerseits mit einem klaren Bekenntnis zum Film sowie der Förderung des Festivals durch die Stadt und appellierte eindrücklich daran, die Hoffnung und das Versprechen auf insgesamt bessere Zeiten nicht „irgendwelchen Rechtsextremisten“ zu überlassen. Und: Die „Brandmauer“ müsse stehen. „Ich hoffe“, so Krause, „dass alle Demokratinnen und Demokraten da stabil bleiben“.

Staatsminister Dr. Florian Herrmann (CSU), der den Schulterschluss zwischen Stadt und Freistaat im Hinblick auf die (finanzielle) Unterstützung für das Filmfest hervorhob, wurde – das war bei Events dieser Art auch nicht immer so – von den Gästen im HP 8 ebenfalls mit viel Sympathie bedacht. „Berlin wird sich bald warm anziehen müssen“, so Herrmann im Hinblick auf das Festival in der Hauptstadt, das immer noch als das größere in Deutschland gilt. Auch dafür viel Applaus.

Die Münchner meinten es im angenehm klimatisierten Saal also schon mal gut mit der politischen Prominenz. Echte Standing Ovations gab es am Ende des Abends dann aber doch nur für den Eröffnungsfilm „Vaterland“ und die Protagonisten vor und hinter der Kamera. Das Werk von Paweł Pawlikowski wurde jüngst in Cannes mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet. Es erzählt aus dem Leben von Thomas Mann und seiner Tochter Erika und feierte in Anwesenheit der beiden grandiosen Hauptdarsteller Sandra Hüller und Hanns Zischler hier nun seine Deutschlandpremiere.

Der in Schwarz-Weiß gedrehte 82-Minüter blicke „auf Vergangenheit und Gegenwart, auf private Schicksale und die großen Fragen unserer Zeit“, so die Filmfest-Chefs Christoph Gröner und Julia Weigl im Gespräch mit Christina Wolf, die souverän durch die Veranstaltung führte. Tatsächlich stellt „Vaterland“ vor allem dramatisch aktuelle Fragen danach, wie Kunst und Künstler von politischen, vor allem autoritären Regimen vereinnahmt zu werden drohen. Ob der Film im Kino ein breiter Publikumserfolg wird, bleibt abzuwarten. Als Eröffnungsfilm war er eine gute Wahl: großes internationales Autorenkino mit deutscher Beteiligung – das gibt es auch nicht alle Tage.

Insgesamt werden beim Filmfest 130 Filme aus 56 Ländern gezeigt. Höhepunkt ist am Samstag die Verleihung des CineMerit Awards an David Duchovny. Der „Akte X“-Star bringt seinen neuen Film mit: „See You When I See You“.THY

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