Die Ewings wurden von Larry Hagman, Linda Gray, Jim Davis, Patrick Duffy, und Victoria Principal (von li.) mit Charlene Tilton und Barbara Bel Geddes (sitzend) gespielt. © dpa
Als Bösewicht unerreicht: Larry Hagman in der Rolle des Ölmagnaten J.R. Ewing. © Imago
Keiner konnte so fies lachen wie er: Wenn der texanische Ölmillionär und Oberschuft J.R. Ewing wieder einmal einen Geschäftspartner über den Tisch gezogen, einen Politiker geschmiert oder eine Frau gedemütigt hatte, stimmte er sein charakteristisches Geißbockgemecker an, das zu seinem Markenzeichen wurde. Vor 45 Jahren war sie erstmals im deutschen Fernsehen zu hören: Am 30. Juni 1981 lief im Ersten die erste Folge der drei Jahre zuvor im US-Fernsehen gestarteten US-Seifenoper „Dallas“, die sich zum wahren Straßenfeger entwickeln sollte. Bis zu 18 Millionen Zuschauer schalteten immer dienstags das Erste ein, wenn der von Larry Hagman gespielte Fiesling J.R. seine Familie tyrannisierte: Seine schöne Frau Sue Ellen (Linda Gray), seinen gutmütigen Bruder Bobby (Patrick Duffy) und die anderen Mitglieder des Ewing-Clans auf der berühmten Southfork Ranch. Zehn Jahre lang unterhielt die intrigante Bande aus Texas auch die deutschen Zuschauer bestens und prägte – noch stärker als der zwei Jahre später gestartete „Denver-Clan“ im ZDF – die Achtzigerjahre im deutschen Fernsehen. 1991 war nach 349 Folgen Schluss.
Mit „Dallas“ eroberte eine Seifenoper die Herzen der Zuschauer, die eine völlig neue Farbe in die deutsche Fernsehlandschaft brachte: War man bis dato an bieder-brave US-Serienclans wie die treuherzigen „Waltons“ oder die rechtschaffenen Cartwrights aus „Bonanza“ gewöhnt, so machte sich mit den Ewings eine moralisch verkommene Sippe von Millionären im Programm breit, die es in jeder Hinsicht krachen ließ. Fragwürdige Geschäfte, Seitensprünge, übler Verrat, skrupellose Intrigen und kriminelle Aktivitäten waren alltäglich auf der Southfork Ranch. Dabei war der charismatische Ölbaron J.R. an den meisten krummen Dingern direkt beteiligt – noch nie hatte es in einer Fernsehserie eine derart niederträchtige Hauptfigur gegeben, der geldgierige und machthungrige Mann mit dem Stetson war ein schlechter Mensch durch und durch, ein wahrer Teufel aus Texas. Zwar spielten auch sein jüngerer und anständiger Bruder Bobby oder seine gutmütige Mutter Miss Ellie (Barbara Bel Geddes) wichtige Rollen, im Mittelpunkt stand aber meist der Mann mit der fiesen Lache – kein Wunder, dass die US-Serie zumindest in den Anfangsjahren heftig umstritten war.
Doch „Dallas“ setzte nicht nur inhaltlich neue Maßstäbe, auch die Machart der in den USA 1978 gestarteten knallbunten Serie war für damalige Verhältnisse ungemein modern und änderte die Sehgewohnheiten der Fernsehzuschauer weltweit. So verwendeten die Macher erstmals systematisch Cliffhanger, mit denen die Zuschauer bei der Stange gehalten werden sollten – wer zum Beispiel wissen wollte, welche Figur am Ende der dritten Staffel auf J.R. schoss, musste monatelang warten, bis in den neuen Episoden die Täterin präsentiert wurde. Um sicherzugehen, dass keiner der Beteiligten den Fortgang der Handlung verriet, wurden fünf verschiedene Versionen gedreht – und nicht einmal die Schauspieler wussten, welche davon letztlich gezeigt werden würde.
Wie viele Serien-Dauerbrenner krankte aber auch „Dallas“ im Lauf der Jahre an immer unrealistischeren und teilweise absurden Handlungssträngen. Trauriger Höhepunkt dieser Entwicklung war die wundersame Auferstehung Bobby Ewings von den Toten. Als Darsteller Patrick Duffy Mitte der Achtzigerjahre aus der Serie ausstieg und Bobby deshalb bei einem Autounfall starb, gingen die Einschaltquoten dramatisch zurück. Nachdem Duffy zum Wiedereinstieg überredet worden war, entdeckte Bobbys Frau Pam (Victoria Principal) ihren Gatten eines Morgens fröhlich unter der Dusche, was damit begründet wurde, dass sie Bobbys Tod und damit die komplette Handlung von fast 30 Episoden nur geträumt hatte. Ein höchst umstrittener dramaturgischer Kniff. 1991 stellte der US-Sender CBS „Dallas“ schließlich ein, eine 2012 gestartete Fortsetzungsserie brachte es nur auf drei Staffeln.MARTIN WEBER