Mehr als Marcs Managerin

von Redaktion

Das Museum in Kochel ehrt erstmals die souveräne Künstlerin Maria Franck-Marc

Mit Energie widmete Maria Franck-Marc (li.) sich der Kunst. Oben: „Hirten auf dem Weg zur Krippe“. Unten: „Blumen und Blätter“. © Nachlass M. Marc, Schloßmuseum Murnau, Stiftung Stangl

Buntes Leben zeigte Franck-Marc: „Zwei Kinder zwischen Blumen“ (li.), „Hauseingang mit Gartenzaun“ (re.) © Privat, Foto: Walter Bayer (2)

Heuer feiert das Franz Marc Museum seinen 40. Geburtstag – und erinnert erstmals im eigenen Haus an Maria Franck-Marc (1876-1955), die vor 150 Jahren geboren wurde. In Kochel steht nun aber nicht die Frau im Mittelpunkt, ohne deren energisches und strategisch kluges Nachlass-Management das Werk des früh verstorbenen Malers Marc (1916 im Ersten Weltkrieg; geboren 1880) wahrscheinlich in Vergessenheit geraten wäre, sondern die Künstlerin. Jessica Keilholz-Busch, Chefin des Museums, betont, dass die als Marie Franck in Berlin geborene Maria früh ihre ganze Energie – und davon brauchte es zur damaligen Zeit sehr viel – in die Ausbildung zur Malerin investierte.

Im Erdgeschoss des Marc-Museums schildert die Ausstellung, wie profund Franck ihr Studium betrieb (Frauen durften nicht auf die Akademie, mussten alles selbst zahlen) und dass sie sich zu einer beachtenswerten Figur der Moderne entwickelte. Wie souverän sie die Mittel beherrschte, zeigen bereits 1895 Blüten-Aquarelle: stupend fotorealistisch, mit einer schwebenden Aura. Ihre Bekanntschaft mit Kolleginnen und Kollegen, die in München und im Oberland Wege suchten, eine neue Ausdrucksform zu finden und den Blauen Reiter gründeten, inspirierte die junge Frau. Das Experimentieren genoss sie.

Da finden sich Gleichklang-Bilder mit Franz Marc, etwa helltonige Waldlichtungen (1908) bei Lenggries; daneben kraftvoll mit festem, breitem Pinselstrich modellierte Stillleben mit Gefäßen und bereits mit Spielzeug. Die Mappe „Kinderbilder“, die eigentlich als Druck herauskommen sollte, enthält Motive mit Schnitzfigürchen, die etwa für Oberammergau typisch sind. Denen hauchte Franck, die 1913 Marc endlich heiraten konnte, Leben ein. Natürlich sind Kinder aus ihrer Umgebung ebenfalls auf Bildern eingefangen; keine herausgeputzten Herrschaftsbobberln, sondern Madln und Buam vom Land. Reale Zeichnungen von Kindern waren wichtig für den Blauen Reiter, von Gabriele Münter bis Wassily Kandinsky. Drei von Maria Francks Blättern wurden bei der zweiten Blauer-Reiter-Ausstellung 1912 in München präsentiert.

Am raffiniertesten inszeniert die Malerin die Spielzeugfiguren in „Hirten auf dem Weg zur Krippe“ (wohl um 1911). Die Gestalten im Schnee, begleitet von grünen Schafen auf Rollen, sind eine humorvoll-groteske Mischung aus Hirten, Perchten und Weisen aus dem Morgenland. Sie suchen sich in der Finsternis, bedroht von einer Wetterhexe, ihren Weg. Diese Abgründigkeit plus Komik verschwindet in den farbsprühenden, kubistischen Blumengärten, die Maria Franck-Marc bis zur Abstraktion treibt (um 1913).

Dann, so scheint es, brach ihre Produktion ab. Kamen die Rheuma-Schübe zu oft? Nach dem Tod von Franz widmete sie sich komplett seinem Andenken. Sofort setzte sie in der Neuen Münchener Secession eine Gedächtnisausstellung durch. Erst in den Zwanzigerjahren wurde sie erneut schöpferisch, erweiterte ihre Formensprache zum Konstruktivistischen. Sie hielt Kontakt zum Bauhaus, ging mit der Avantgarde mit. Ihr Material war jetzt stofflich. Sie richtete sich in ihrem Domizil in Ried eine Weberhütte ein. Auch in Ascona (1929-1945) blieb sie den Teppichen treu. Sowohl die Entwürfe als auch die kleinen Webarbeiten von Maria Franck-Marc in der aktuellen Schau sind herausragend. Man möchte unbedingt mehr sehen.SIMONE DATTENBERGER

Bis 27. September

Di.-So. 10-18 Uhr; www.franz-marc-museum.de; sehr schön gemachte Broschüre: 6 Euro.

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