Heavy Metal in Flauschejacken

von Redaktion

Metallica veröffentlichen ihr umstrittenes siebtes Album wieder

Harte Männer – das war einmal: 1997 posieren (v. li.) Kirk Hammett, Lars Ulrich, James Hetfield und Jason Newsted von Metallica modebewusst. © Danny Clinch

Humor hat James Hetfield ja. Um positive Worte für das Metallica-Album „Reload“ zu finden, befragt der Frontmann der Heavy-Metal-Legenden die Künstliche Intelligenz. In einem Video auf Instagram bittet der 62-Jährige ChatGPT um die Details zum Album von 1997 – ist ja alles schon so lange her. Die Computerstimme zählt brav alle 13 Songs auf, von „Fuel“ bis „Fixxxer“. „Eine starke Auswahl“, lobhudelt das Programm. „Magst du das Album wirklich?“, fragt Hetfield das Handy in seiner tätowierten Pranke. „Oder tust du nur so?“ „Ich habe keinen eigenen Geschmack“, gibt die KI zu. „Ich weiß, dass es für einige Fans ein zwiespältiges Album ist. Ob du es magst oder nicht – es ist definitiv Teil ihrer Entwicklung.“ Der Sänger grinst, will’s jetzt genau wissen: „Wie gefällt dir die flauschige Jacke von Lars?“ „Die ist ikonisch!“, schwärmt die Stimme. Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich habe zu jener Zeit ein Faible für mutige Mode-Statements gehabt. „Heavy Metal in Flauschejacken – warum nicht?“

Da ist die KI mal nah dran an der Wahrheit. „Reload“, das siebte Metallica-Album, das jetzt wieder auf dem Markt ist, war für viele Fans Teil zwei eines Sündenfalls der harten Männer. Nach dem Vorgänger „Load“ (1996) war es die endgültige Abkehr vom orthodoxen Extrem-Metal, musikalisch offen in alle Richtungen (Drehleier! Violine!), mit allen Fashion-Fettnäpfchen, die die Neunzigern bereithielten: Augen-Make-up, bauchfreie Shirts, Flauschejacken. Das weiß das Quartett natürlich, und umso witziger ist die selbstironische Werbung in eigener Sache.

Ein Wiederhören zeigt: Das Album ist nicht schlecht, aber viel zu lang und dafür zu ideenarm. Den Mittelfinger, den ihre ersten vier Platten dem Mainstream gezeigt hatten, konnten die erwachsen gewordenen Berserker einfach nicht wieder rausholen. Das flotte „Fuel“ versucht es mit kontrollierter Wut, „The Memory remains“ fließt Magma-zäh wie ein altes Black-Sabbath-Stück – das Härteste daran bleibt aber das krächzige Lamento von Sixties-Ikone und Gastsängerin Marianne Faithfull. Generell geht’s im schleppenden Tempo dahin („Where the wild Things are“, „Carpe Diem Baby“), der Ausschlag in Richtung Pop ist aber nicht mehr so deutlich wie auf „Load“. Die Neuauflage bietet Studio-Outtakes und Live-Material. Wer ganz tief in die Tasche greift, dem bietet das Deluxe-Boxset fünf LPs, ganze Konzerte auf 15 CDs, vier DVDs, eine Vinyl-Single, allerlei Schnickschnack und ein 128-seitiges Buch. Eine wahre Schatztruhe.

Der beinharte Fan findet da jede Menge Perlen. Und sicher ein Argument, über die Flauschejacke hinwegzusehen.JOHANNES LÖHR

Metallica:

„Reload“ (Universal).

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