Der Raum wird zur Kunst

von Redaktion

Sonderschau „Between & Beyond“ in der Pinakothek der Moderne

Neonlicht: Dan Flavins „untitled“ von 1973.

Riesige Stahlskulptur: Dirk Bell, „Freelove“ in der Pinakothek der Moderne.

Sie dürfen durchgehen, drumherum, von oben draufschauen: Überdimensionale Skulpturen, Objekte und Installationen laden die Besucherinnen und Besucher ein, den Raum und sich selbst darin neu zu erleben. Die Pinakothek der Moderne zeigt ab Freitag die Ausstellung „Between & Beyond“ – bestückt mit Werken aus der eigenen Sammlung aus den 1960er-Jahren bis zur Gegenwart. Geöffnet sind die Säle 21 bis 26, in denen Schwebezustände, Übergangs- und Schwellenmomente erlebbar gemacht werden.

Ein schwereloses Gefühl im Neonlicht

Besonders eindrucksvoll: Dan Flavins Lichtinstallation „untitled“ von 1973, die einen Ausstellungsraum in farbiges Neonlicht taucht und damit die realen Grenzen des steinernen Gebäudes verschwimmen lässt. Flavin erzeugt damit ein schwereloses, fast schwindliges Gefühl. Eine sinnliche Erfahrung, die sich auch mit der raumgreifenden Stahl-Skulptur von Dirk Bell „Freelove“ machen lässt. Allein durch ihre Maße – sie ist über vier Meter hoch – fühlt man sich, je nach Perspektive, nur klein oder sogar verloren.

Der Raum bestimmt immer auch die Position, die Bewegung und die Wahrnehmung des Menschen. Der Besucher erlebt die Kunst somit nie losgelöst vom Raum, sondern immer darin. Ab den 1960er-Jahren begannen Künstlerinnen und Künstler der Minimal Art, den umgebenden Raum als integralen Bestandteil ihrer Werke zu begreifen. Der Raum wird als Zwischenraum („between“) angesehen, der zwischen Werk und Betrachtenden entsteht, oder als imaginärer und transzendenter Raum („beyond“), der durch Licht, Schatten und Bewegung erfahrbar wird.

Pioniere wie Dan Flavin, Fred Sandback oder die bisher wenig beachtete Mary Miss verwendeten neue Materialien, bezogen auch die Erfahrungen der Betrachtenden mit ein. Der Ausstellungsraum wurde so Teil des Kunstwerks.

Das gilt natürlich besonders für Skulpturen und Installationen. Doch auch in der Malerei hinterfragten die Künstler immer stärker den Bildraum. Lucio Fontana, der berühmte italienische Avantgardekünstler, zerschnitt die Leinwand oder punktierte sie, Ida Applebroog setzte ihre Kompositionen aus mehreren einzelnen Leinwänden mit sich ergänzenden Motiven zusammen.

Die Perspektiven auf einen erweiterten Bildraum beeinflussten auch die nachfolgenden Künstler-Generationen. Die deutsche, zeitgenössische Malerin Monika Baer hinterfragt Sehgewohnheiten, indem sie ihre abstrakte Malerei mit subtilen Zeichen durchbricht. Victor Leguy oder Roman Ondak erweitern den Bildraum um eine gesellschaftliche Dimension, indem die Autorschaft mit Nicht-Künstlern geteilt wird.MARIA ZSOLNAY

Between & Beyond

Pinakothek der Moderne, Säle 21-26, 3. Juli bis 29. August 2026

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