Die Village People 1980 in der Sendung „Der große Preis“ und Fan Donald Trump. © Grimm, Van Weel/Imago
Erst der Tod von Sänger Victor Willis hat die Village People hierzulande wieder ins Gedächtnis gerufen. Die Mitmachhits „Y.M.C.A.“ und „In the Navy“. Die Schwulen-Ikonen und Stereotypen: Polizist, Cowboy, Indianer, Bauarbeiter, Motorrad-Rocker und Soldat. In den USA ist das anders – dort ist die Gruppe omnipräsent, nicht zuletzt wegen ihres prominentesten Fans, Donald Trump. Ein Musical und sogar eine Avatar-Show à la Abba waren zuletzt im Gespräch.
Passend zu Trump liest sich die Geschichte der Band wie eine Seifenoper. Gegründet wurde sie von zwei französischen Produzenten nach dem Besuch eines Schwulenclubs in den Siebzigern. Dort hatten sie kostümierte Männer gesehen – und ihre Zielgruppe entdeckt. Sie casteten die Band und als Sänger Willis, der sein tiefes Soul-Knurren bereits am Broadway hatte tönen lassen.
„Y.M.C.A.“ kam 1978 auf den Markt, nachdem John Travolta in „Saturday Night Fever“ die ganze Welt im Sturm erobert hatte – und tat es dem Film gleich. Doch spätestens, als die Disco-Welle ausplätscherte, war die Party auch schon wieder vorbei. Vorerst. „Polizist“ Willis verließ die Band.
Vielleicht ein wenig voreilig? Ende der Achtziger kehrten die Village People zurück – einige Ur-Mitglieder, jedoch nicht Willis, hatten den Namen von der Produktionsfirma lizenziert und spielten auf Hochzeiten und Firmenveranstaltungen. Überall, wo man sie auftreten ließ. Die Reaktion war nun herzerwärmende Nostalgie: Die Gruppe wurde in „Wayne’s World“ und im „Discothèque“-Video von U2 parodiert und ging sogar mit Cher auf Tour.
Willis, dessen Solokarriere dahingedümpelt war, brachte sich in den 2000ern wieder ins Spiel. Er klagte auf Rückgabe der Urheberrechte, die er vor Jahren an die Produktionsfirma abgegeben hatte – und war im Fall von 13 Village-People-Songs erfolgreich. Darunter „Y.M.C.A.“. Doch nun wollte er auch wieder in die Band eintreten – und zur Not seine eigene gründen. Im Rahmen des Vergleichs mit Willis setzte die Produktionsfirma die anderen in Kenntnis, dass sie fortan nicht mehr die Village People sein durften. Mit neuer Besetzung nahm Willis die Tourneen wieder auf.
Und dann kam Trump. Er soll schon in den Siebzigern im „Studio 54“ zu „Y.M.C.A.“ getanzt haben. Jetzt tat er es wieder. Er verwendete das Lied früh in seinen Wahlkämpfen – noch zum Unmut der Village People. Doch 2024 erklärte Willis, dass man an Trumps Amtseinführung teilnehmen werde, weil „Musik ohne Rücksicht auf Politik gemacht werden sollte“. Klar: Laut Branchenmagazin „Billboard“ war „Y.M.C.A.“ dank der Trump-Promotion wieder an die Chartsspitze geklettert. Willis tat nun kund: Jede Einordnung als „Schwulenhymne“ wäre „völlig fehlgeleitet“ und „schädlich für den Song“. Viele alte Fans kratzten sich da am Kopf – und einer bringt es auf den Punkt: „Das wäre etwa so, als würde Bruce Springsteen behaupten, dass ,Born in the USA‘ eigentlich davon handelt, dass jemand in Frankreich geboren wurde.“
Jedenfalls boomt jetzt das Geschäft mit den Village People: Es gibt ein Videospiel („Disco Star“), geplant sind auch ein Musical, eine Dokumentation, ein Biopic und eine Avatar-Version der Band. Der geschäftstüchtige Sänger brachte noch im Juni neue Musik heraus (die EP „Block Party“). Am 30. Juni starb Victor Willis im Alter von 74 Jahren. Aber die Band lebt weiter.JOHANNES LÖHR