„Was wir bieten, ist selten geworden“

von Redaktion

Festivalleiter Tilman Herpichböhm über das Konzept des Augsburger Jazzsommers

Selbst Musiker: Tilman Herpichböhm © Herbert Heim

Am kommenden Mittwoch beginnt der 34. Augsburger Jazzsommer, eine Konzertreihe, die aufgrund ihrer Verbindung von hochkarätigem Programm und einzigartigem Ambiente längst weit über die Grenzen Bayerns hinaus großes Renommee genießt. Bis 12. August treten, immer mittwochs, große Stars im Rosenpavillon des Botanischen Gartens auf, während die samstägliche Reihe im Brunnenhof des Zeughauses vor allem jungen Künstlern auf dem Weg nach oben eine Chance gibt. Wir haben mit dem Festivalleiter Tilman Herpichböhm über sein Konzept gesprochen.

Worauf achten Sie bei der Zusammenstellung des Programms, nach welchen Kriterien wählen Sie aus?

Wir legen Wert auf gewissenhaftes Booking. Es ist eine echte, pure Jazzkonzertreihe – was selten geworden ist, vor allem bei Festivals. Wichtig ist mir, dass Stars und Legenden der internationalen Szene den Weg nach Augsburg finden, aber auch moderne Facetten und aktuelle Entwicklungen des Genres abgebildet werden. Und ich bemühe mich, die leider immer noch unterrepräsentierten Frauen im Jazz signifikant im Programm vertreten zu sehen.

Wie viele Besucher kommen im Schnitt zu den Konzerten im Botanischen Garten und von wo kommen sie?

Wir haben jedes Jahr über 5000 Festivalbesucher bei elf Konzerten und haben damit schnell wieder die präpandemischen Zahlen erreicht. Die meisten Zuschauer kommen aus der Region, wir haben aber auch immer wieder Besucher von weiter weg, zuletzt etwa aus Köln oder Mailand.

Sie sind selbst Schlagzeuger. Reizt es Sie, sich selbst für das Festival mal eine Traum-Band zusammenzustellen – und wenn ja, wer wären Ihre Wunschpartner?

Das ist bereits passiert, als wir vor drei Jahren die Band für den Pianisten Nduduzo Makhathini zusammenstellen mussten, weil sein Trio nicht verfügbar war, er das Konzert aber unbedingt spielen wollte. Da ließ ich es mir nicht nehmen, selber mitzuspielen und meinen Bruder und meine besten musikalischen Freunde dazuzuholen. Das war tatsächlich aus meiner Sicht eine echte Dreamband, auch weil es sofort mit Nduduzo gefunkt hat und wir eine intensive Zeit und ein unglaublich tolles Konzert erleben durften. Ich würde mich allerdings unwohl fühlen, mir dieses Privileg als Festivalleiter jedes Jahr zu gönnen. Es gibt so viele sensationell eingespielte Combos, die ich jeder Dreamband oder sonstwie konzeptionell zusammengecasteten Formation vorziehen würde.

Auf welchen Höhepunkt freuen Sie sich dieses Jahr besonders, auf welche Verpflichtung sind Sie stolz?

Auf dem Zettel ist vermutlich Gitarrist Bill Frisell dieses Jahr der Bekannteste, und ich freue mich sehr, dass das endlich geklappt hat. Seine Musik passt außergewöhnlich gut in den Botanischen Garten, da bin ich mir sicher. Das Konzert von Gretchen Parlato kann ich kaum erwarten. Nicht nur wegen ihrer Gesangskünste und eingängigen Tunes, für die ich schon lange ein Faible habe, sondern natürlich auch, weil Schlagzeugkollege Mark Guiliana mich hoffentlich mit offenem Mund an den Bühnenrand fesseln wird. Im Brunnenhof freue ich mich nicht nur auf die drei internationalen Acts, sondern auch besonders auf die Münchnerin Fiona Grond mit ihrem Large Ensemble und die Kölnerin Christina Zurhausen, die mit ihrem Grunge-Jazz ordentlich aufräumen wird.

Informationen und Tickets

online unter www.augsburger-jazzsommer.de.

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