Selbstbewusst und sexy: Madonna vor wenigen Wochen beim Spontankonzert in New York. © Agentur People Image/ USA
Madonna kehrt mit „Confessions II“ zurück – ihrem ersten Studioalbum seit 2019. Der Titel knüpft bewusst an den Dance-Klassiker „Confessions on a Dance Floor“ (2005) mit Hits wie „Hung Up“ an. Schon vor der Veröffentlichung des brandneuen Albums sorgte die Pop-Ikone für Aufmerksamkeit: Im Musikvideo feierte sie ausgelassen mit Supermodel Kate Moss und Schauspieler Benedict Cumberbatch, das Cover spielt mit religiöser Symbolik – ein Motiv, das ihre Karriere seit Jahrzehnten prägt.
Provokation gehört zu Madonna wie die Musik. Ob „Like a Virgin“, „Like a Prayer“ oder ihr Auftritt am Kreuz mit Dornenkrone – immer wieder forderte sie Kirche und Vatikan heraus und machte den selbstbestimmten Umgang mit Sexualität zu ihrem Markenzeichen. „Manchmal muss man dick auftragen, damit die Leute aufwachen“, sagte die Tochter einer erzkatholischen Familie mit italienischen Wurzeln. Bis heute ist sie davon überzeugt, dass die komplizierte Kindheit der Propeller gewesen sei, der sie angetrieben habe, etwas aus sich zu machen.
Eine musikalische Neuerfindung ist „Confessions II“ nicht, eher eine Rückkehr zum guten alten Dance-Pop. Gemeinsam mit Produzent Stuart Price setzt Madonna auf pulsierende Disco-Beats, elektronische Synthesizer und nahtlos ineinanderfließende Tracks, die das Album wie ein einziges DJ-Set wirken lassen. Statt den Zeitgeist zu jagen, blickt sie auf das eigene Werk zurück – und macht daraus das eigentliche Konzept der Platte.
Viele Songs zitieren frühere Karrierephasen. „Read My Lips“ erinnert an „La Isla Bonita“, „Everything“ greift Motive aus „Vogue“ auf, während „My Sins Are My Savior“ atmosphärisch an „Justify My Love“ anknüpft. Besonders gelungen ist „One Step Away“, ein euphorischer Dance-Track mit hymnischem Refrain, den viele bereits als Höhepunkt des Albums sehen. Auch das Duett „Bring Your Love“ mit Sabrina Carpenter fügt sich überraschend organisch in den nostalgischen Sound ein. Viele Kritiker sprechen deshalb von Madonnas überzeugendstem Werk seit „Confessions on a Dance Floor“ – manche sogar vom besten Album seit zwei Jahrzehnten.
Bis heute folgt die 66-jährige Popqueen, die sich mit 62 ihr erstes Tattoo stechen ließ, ihrem eigenen künstlerischen Kompass. „Ich suche verzweifelt nach niemandes Zustimmung … und habe das Recht, wie jeder andere auch, frei über meinen Körper zu bestimmen!“, sagte sie einmal – ein Satz, der ihre Karriere treffend beschreibt.
Der Anspruch, selbst über den eigenen Körper zu bestimmen, prägt auch den Umgang der Sängerin mit ihrem Äußeren. Bei den Grammys 2023 erscheint sie mit einem stark veränderten Gesicht. Bereits in den vorherigen Jahren wird immer wieder über mögliche Po-Implantate gemutmaßt. Madonna lässt auch das an sich vorüberziehen. 2012 legt sie einmal in einem Interview ihre Sicht auf Eingriffe dar. „Ich bin sicher nicht gegen Schönheitsoperationen“, erklärt sie dem britischen „Mirror“. „Aber ich bin absolut dagegen, darüber diskutieren zu müssen.“ANNE POLLMANN/AKI