Henri Dutilleux im Dreierpack? Das Publikum im dicht gefüllten Herkulessaal hatte seine helle Freude an den „Petitessen“ des 1916 geborenen und 2013 gestorbenen Franzosen. Kein Wunder, traten doch als Solisten wohlvertraute Mitglieder des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks an.
Soloflötist Henrik Wiese glänzte mit feiner Linie, virtuosen Läufen und Sprüngen, wunderbarem Pianissimo und keck spielerisch im Finale der Sonatine. Dutilleux hat sie für Flöte und Klavier gesetzt, wie auch die „Sarabande et cortège“ für Fagott und die Sonate für Oboe. Unter Sir Simon Rattles Leitung erklangen die Werke nun in der Orchestrierung seines Landsmannes Kenneth Hesketh, der eine äußerst farbige, dem jeweiligen Solo-Instrument bestens angepasste Instrumentation geschrieben hat.
So wurde auch der kurze Auftritt des Fagotts zum Vergnügen. Jesús Villa Ordóñez trumpfte mit rasenden Staccati auf, denen er ein geschmeidiges Legato entgegensetzte. Als dritter Bläser-Solist legte Ramón Ortega Quero seinen Oboen-Ton in weiten Bögen über das Orchester, lieferte freche Läufe und Triller und erklomm wie die Kollegen höchste Höhen. In ihren Mini-Kadenzen bewiesen alle drei Holzbläser ihre Klasse. Große Begeisterung.
Mit Mozarts letztem Klavierkonzert B-Dur und Haydns C-Dur-Sinfonie Nr. 90 gelang Rattle eine vorzügliche „Ergänzung“. Er sorgte für eine sehr subtile Abstimmung zwischen dem Orchester und Dame Imogen Cooper am Flügel. Mit feinem Anschlag, mitgeatmeten Phrasierungen, dynamischen Schattierungen, viel Poesie im Larghetto und einem wie neu belebten Finale begeisterte sie das Publikum. Das ließ sich auch bei den Trugschlüssen der C-Dur-Sinfonie zu heftigem Applaus hinreißen. Verdient hatten ihn BR-Symphonieorchester und Dirigent für ihre explosive Interpretation allemal.GABRIELE LUSTER